D. A., Hamburg

Nach einer Verordnung der Bundesregierung dürfen in Gaststätten nicht mehr als zwei Spielautomaten aufgestellt werden. Dies gilt auch für Spielhallen, wie es deren auf der Reeperbahn in Hamburg gibt. Ob damit dem "Groschengrab" Schach geboten wurde?

In den meisten Ländern der Welt sind Glücksspiel-Automaten verfemt; in der Bundesrepublik jedoch wurden sie im August 1953 konzessioniert. Die Automatenmänner wurden seither eine Macht. – Es gibt rund 50 derartige Automatentypen. Regelmäßig wird aus jeder Serie ein Gerät den Bauftragten der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig vorgeführt. Wenn sie die Serie genehmigt haben, erhält jedes einzelne Gerät eine dreijährige Lebensfrist. Danach gilt der Automat als nicht mehr "betriebssicher". In Westdeutschland "arbeiten" etwa 80 000 Glücksspielautomaten, und der durchschnittliche monatliche Kasseninhalt pro Gerät wurde vom Verband des norwestdeutschen Automatengewerbes dem Finanzamt Hamburg mit 120 DM angegeben. Allerdings hat das Finanzamt wenig Kontrollmöglichkeiten.

Eine Vorschrift sagt, daß bei einer Laufzeit von nicht mehr als 30 Sekunden von 1000 eingeworfenen Groschen 600 als Gewinn wieder ausgeworfen werden müssen; 40 Prozent also schluckt der richtig funktionierende Glücksspielautomat als seinen Gewinn. Die Vorschrift besagt ferner, daß für jede 30 Sekunden länger dauernde Laufzeit jeweils zehn Prozent weniger als Gewinn ausgeworfen werden brauchen. Die Zulassungsgebühr für einen Automaten beträgt für drei Jahre 30,– DM, die Spielgenehmigung kostet 1,50 DM pro Monat. Die Umsatzsteuer beträgt 3,2 Prozent vom Gesamtumsatz, und die Vergnügungssteuer ist in Hamburg kürzlich von 2,50 DM auf 24,– DM heraufgesetzt worden. Wenn man die Hamburger Statistik für das gesamte Bundesgebiet zugrunde legt, um einen ungefähren Überschlag zu machen, darf man annehmen, daß der Staat bisher insgesamt monatlich rund eine Viertelmillion DM Gewinn aus diesem Geschäft hatte.

In Hamburg ging vor einigen Monaten der "Automaten-Schreck" um: es waren Männer, welche die schnell rotierende Scheibe des Apparats an jeder gewünschten Stelle bremsen konnten. Obwohl sie nichts Ungesetzliches taten, reagierten einige Automaten-Aufsteller blitzschnell: sie verkürzten die langen Röhren für die Gewinn-Groschen, die oft bis zu 15,– und 20,– DM enthielten, so daß nur noch ein Bruchteil darin Platz hatte. Kam nun einer mit "schnellen Augen" und leerte den Automaten, so war der Verlust gering und zu verschmerzen. Dieser Eingriff durch die Betreuer war strafbar, aber es gibt heute noch Geräte mit der "verkürzten Röhre".

Da die Gewerbepolizei über keine Automaten-Fachleute verfügt, welche die Geräte inwendig kontrollieren könnten, ist ihr offenbar nicht bekannt, daß kleine Veränderungen an den Apparaten immer wieder vorgenommen wurden. Beispiel: Ein "Dreischeiben-Gerät" ist mit einer "Start"- und zwei "Bremstasten" ausgerüstet. Beim Start setzen sich alle drei Scheiben in Bewegung und die Scheiben 1 und 2 kommen zuerst zum Stillstand. Wenn die Kombination dieser beiden Seiten keine Gewinnaussichten bietet, kann der Spieler jetzt die "Starttaste" drücken: schon setzen sich die beiden Scheiben noch einmal in Bewegung. Manchmal bleibt aber Scheibe Nr. 2 stehen. Da aber der Spieler den zweiten Lauf nur dann startet, wenn die Zahlenkombination aus dem ersten Lauf keinen Gewinn erhoffen läßt, hat er meistens das Pech, daß die stehengebliebene Scheibe Nr. 2 ihm auch nun alle Gewinnhoffnungen zerschlägt. Ein mehrfach gefaltetes Papier, hinter einen Metallhaken zum Einrasten gesteckt, ist die ganze Ursache.

Eine weitere Möglichkeit bieten alle Apparate mit drei gegossenen Walzen, die mit Zahlen oder Bildern beklebt sind. Je nach Gewinnplan muß beim Stillstand eine bestimmte Kombination erreicht werden. Beschwert man eine Walze an einer bestimmten Stelle, kann die Möglichkeit für die höheren Gewinne entscheidend verringert werden. Jeder Apparat bietet dem Fachmann die Möglichkeit, Änderungen vorzunehmen. Bei den "ToTo"-Automaten kann man durch geringfügiges Zurücksetzen des Rasthebels den Hauptgewinn von einer Mark mit ziemlicher Sicherheit ausschalten. Man kann bei anderen Typen Zähne eines Zahnrades abfeilen, um die Gewinnchancen zu verringern. Aber es gibt auch Veränderungsmöglichkeiten, die von Tag zu Tag gelten: Man entfernt die kleinen Hilfen in regel- oder unregelmäßigen Abständen so daß die Spieler an Glücks- und Pechtagen zu glauben geneigt sind.