Es scheint nun wirklich an der Zeit, mit der Faust auf den Tisch zu schlagen und den Vertretern des Sowjetzonen-Sports den Standpunkt klarzumachen. Nachdem sich die Sportbeauftragten beider Teile Deutschlands nach vielerlei vergeblichen Versuchen endlich im vergangenen August grundsätzlich auf eine gesamtdeutsche Vertretung bei den Olympischen Winter- und Sommerspielen geeinigt hatten, sollte es Sache der einzelnen Fachverbände sein, nun auch die technischen Voraussetzungen für die Aufstellung der jeweiligen Mannschaftsgruppen zu schaffen. Man hätte meinen sollen, daß dies keinerlei Schwierigkeiten bereiten könnte, zumal für die Auswahl der Teilnehmer einzig und allein das Leistungsprinzip gelten sollte. Die besten Sportler also sollen die Fahrkarten nach Cortina d’Ampezzo oder nach Melbourne erhalten, gleichgültig, in welchem Teile Deutschlands sie wohnen.

So wollen es die westdeutschen Sportler; so will – es der gesunde Menschenverstand. Nicht so die Männer der Sowjetzone! Wer es bis jetzt noch nicht gemerkt haben sollte, daß sie lediglich politisches Kapital aus diesen so höchst unpolitischen Kampfspielen schlagen wollen, dem ist bei Gott nicht zu helfen. Alle Versuche der Westdeutschen, schnell einen Maßstab für die Auswahl der Angehörigen der verschiedenen Sportgruppen zu finden, scheiterten bislang an der Halsstarrigkeit der Sowjetzonenleute, die immer neue Ausreden finden, um sich um den Grundsatz des Leistungsprinzips herumzudrücken. Mit fadenscheinigen Gründen kämpfen die Sowjetzonalen gegen jeden Vorschlag, in der Hoffnung, schließlich doch ihren Willen durchzusetzen.

Jetzt ist der Augenblick gekommen, ein eindeutiges Ja oder Nein zu fordern und sich auf weiteren Schwatz nicht mehr einzulassen. Können sich die Sportdelegierten der Sowjetzone – die sich ihre Weisungen ja immer erst aus Pankow holen müssen – zu einer klaren Antwort nicht bereit finden, dann sollten wir mit diesem unwürdigen Spiel ein für allemal Schluß machen und dem Internationalen Olympischen Comité mitteilen, daß eine Einigung nicht erzielt werden konnte. Damit wäre dann allerdings nicht nur die vorläufige Aufnahme des Olympischen Komitees der Sowjetzone in das IOC hinfällig, sondern auch eine Teilnahme der sowjetzonalen Sportler an den Olympischen Spielen unmöglich.

Wir haben uns keinen Vorwurf zu machen. Wir haben alles getan, die Sportler aus beiden Teilen Deutschlands zusammenzuführen; quergeschossen wurde immer nur aus der Zone. Gewiß tun uns die Sportler jenseits des Eisernen Vorhangs leid, die dann nicht mit nach Italien und Australien fahren können; aber die Dinge sind jetzt so weit getrieben, daß wir darauf keine Rücksicht mehr nehmen können. Walther F. Kleffel