Die Lücke, die der Tod von Staatssekretär a.D. C. C.Schmid in die Führung der Arbeitsgemeinschaft der Schutzvereinigungen für Wertpapierbesitz e. V. gerissen hatte, ist durch die Wahl des Wirtschaftsprüfers und Politikers Dr. Semler ausgefüllt worden. Zugleich wurde auf einer Mitgliederversammlung der Vorstand neu konstituiert. Dir. Alfred Günzel und Dr. Erich Röhlke wurden in den Vorstand berufen, zum geschäftsführenden Vorstandsmitglied Dr. Hellmuth Will, früher Oberbürgermeister von Königsberg, bestellt und RA Joachim Schlieckmann und Assessor Hans-Jürgen Koppenberg zu Geschäftsführern ernannt. Dr. Semler, seinerzeit wegen seiner kritischen Äußerungen an der Wirtschaftspolitik der alliierten Besatzungsmächte von diesen als Direktor des bizonalen Wirtschaftsrates in Frankfurt abberufen, umriß auf einer Pressekonferenz die Aufgaben, denen er sich besonders widmen würde. Er erklärte, daß die Grundsätze des Eigentumrechtes durch die Bestrebungen, die Mitbestimmungsgesetzgebung weiter auszudehnen, erneut gefährdet würden und daß einer solchen Politik ein energisches Nein gegenübergestellt werden müßte. Darüber hinaus erhalte die Schutzvereinigung neue Aufgaben bei der Wahrung der Eigentumsrechte im Falle einer Wiedervereinigung.

Im einzelnen will Dr. Semler versuchen, den Einfluß des Aktionärs wieder zu stärken. Er sieht für notwendig an, die Auskunftspflicht der Verwaltung auszudehnen, den Umfang der Handlungsvollmacht eines Vorstandes festzulegen und dem Aktionär Einblick in die Geschäftsordnung für Vorstand und Aufsichtsrat zu ermöglichen. Die Gewinn- und Verlustrechnung müsse durch eine Bruttogewinnrechnung ersetzt werden, d. h. die Aktiengesellschaften hätten ihre Jahresumsätze mitzuteilen.

Die erste Pressekonferenz unter Semler vermittelte den Eindruck, daß die Schutzvereinigung für Aktionäre wieder mit größerer Aktivität in den Vordergrund rücken werde. Der neue Vorsitzende erklärte, daß er unter allen Umständen die Vereinigung unabhängig von den verschiedensten Machtgruppen der Wirtschaft belassen wolle. Dr. Semler, der Sohn eines langjährigen nationalliberalen Reichstagsabgeordneten und der Tochter des hamburgischen Bürgermeisters Dr. Mönckeberg ist, war 18 Jahre lang Vorstandsmitglied der Deutsche Warentreuhand AG, Hamburg; er regelte seinerzeit den komplizierten Favag-Skandal, also den Zusammenbruch der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs AG, und war letzthin als Sonderprüfer im Phrix-Konzern hervorgetreten. Nach dem Krieg wurde er Bundestagsabgeordneter und Vertreter der Bundesrepublik in zahlreichen europäischen Wirtschaftsorganisationen. Er ist zur Zeit auch Vizepräsident des Deutschen Rates der Europäischen Bewegung. -lt.