Heimkehrertransporte: Erzählungen holländischer Heimkehrer haben den Verdacht, Moskau benutze die Kriegsgefangenenfrage als politisches Druckmittel, verstärkt. Ein Transport mit 500 bis 600 deutschen Heimkehrern soll aus Bresf-Litowsk nach Moskau zurückgeschickt worden sein. Die Bundesregierung hat Moskau nach den Gründen der Verzögerung der Heimkehrertransporte gefragt.

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New Delhi: Mitten in die indisch-sowjetischen Freundschaftsbeteuerungen platzte die Nachricht von schweren, von Kommunisten angezettelten Unruhen in Bombay. 200 000 Demonstranten versuchten das Parlamentsgebäude zu stürmen. In Kämpfen mit Polizei und Militär wurden 12 Demonstranten getötet und Hunderte verletzt. Der von Kommunisten angeführte Aufruhr in Bombay warf einen Schaffen auf den kommunistischen Staatsbesuch.

Bagdad: Unbekümmert um Moskaus Querschüsse gegen die Einbeziehung Persiens in das westliche Bündnissystem (wie die Waffenlieferungen und die offene Parteinahme für die Araber im Israelkonflikf) befolgt England seine gegenwärtige Nahostpolitik weiter. Macmillan ist in Bagdad eingetroffen, um den Pakt zwischen England, der Türkei, Irak, Iran und Pakistan in die Form einer festen Organisation zu gießen.

Bonn: Drei Wehrmachtsdivisionen am 1. April und drei weitere am 1. Oktober 1956 will Verteidigungsminister Blank auf die Beine stellen. Diese Termine werden auch von militärischen Fachleuten nicht mehr für zu optimistisch gehalten, nachdem Blank seinen ursprünglichen Widerstand gegen die Übernahme geschlossener Abteilungen des Grenzschutzes in die Wehrmacht aufgegeben hat. Verzögerungen bei der Behandlung des Soldatengesetzes im Bundestag können jedoch auch durch den neuesten Terminplan Blanks wieder einen Strich machen.

Washington: Adlai Stevenson hat sich entschlossen, an dem Wettbewerb um die Kandidatur für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen teilzunehmen. Spekulationen über die Außenpolitik einer Regierung Stevenson haben durch einen Brief Nahrung gefunden, den der frühere amerikanische Moskau-Botschafter Georg F. Kennen an eine "außenpolitisch interessierte Gruppe in Washington" geschickt hat und in dem er die jetzige amerikanische Außenpolitik stark krifisert. Es gibt in Washington Beobachter, die für den Fall, daß Eisenhower nicht wieder kandidiert, mit einem Präsidenten Stevenson und einem Außenminister Kennan rechnen. Stevensons Mitbewerber um die demokratische Präsidentschaftskandidatur Harriman nannte den Ausgang der Genfer Konferenz "einen großen kommunistischen Sieg" und sagte von Eisenhowers Außenpolitik, sie bestehe "aus drei Jahren Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit".

Genfer Geist – etwas kalt: Während die Prawda erklärt, nur "kriegerische Reaktionäre" sprächen von einem Wiederbeginn des kalten Krieges, drücken sich die westlichen Staatsmänner vorsichtiger aus. Außenminister Dulles erklärte, der kalte Krieg werde "nicht in der alten Stärke" wieder aufleben, und der Geist von Genf sei "insofern nicht tot" als die Sowjetunion nicht zu ihren früheren Methoden der Bedrohung und Beschimpfung zurückgekehrt sei. – Auf seinem Rückflug nach Moskau machte Molotow in Ostberlin Station und bestärkte Pankow durch die Erklärung, die Deutschlandfrage sei "eine Angelegenheit der Deutschen selbst", in ihrer Forderung: Deutsche an einen Tisch.