hm., München, im November

Es nutzt wenig, wenn man in einer so bezaubernden Stadt wie München sitzt und überlegen muß, wohin man weiterfahren soll. Dabei ist der Entschluß, noch ein paar Dutzend Kilometer südwärts zu reisen, nicht so schwer. Das Land zwischen München und den oberbayerischen Bergen mit seinen Seen ist auch in dieser so zu Unrecht als schlecht verschrienen Jahreszeit von so vielfältigem Reiz, daß man schon ein paar Nebeltage in Kauf nehmen kann. Besonders in diesem langandauernden ungewöhnlich warmen Herbst. Hell ist diese Landschaft immer, und Helligkeit macht froh.

Segeln schenkt im Spätherbst ein ganz eigenes Vergnügen. Freilich, man muß schon etwas von der Sache verstehen, sonst dümpelt man irgendwo im Schilf herum oder in Strandnähe und hat nichts von den frischen Windstößen oder der lang dahinziehenden Brise. Der Ammer-, der Starnberger, der Staffelsee, jeder hat andere Überraschungen, andere Boote, andere Winde, aber schön sind alle, und Erlebnisse schenkt jeder.

Ein König unter den Seen ist der Chiemsee mit der Krautinsel, der Fraueninsel und der Insel mit dem Schloß. Das alles ist eine Welt für sich. Alle diese Seen sind sowohl mit der Bahn als auch mit dem Postauto und natürlich mit dem eigenen Wagen bequem zu erreichen.

Henry Peter Rickmers, der Beauftragte der Landesregierung Schleswig-Holstein für die Leitung der wiederauflebenden Landgemeinde Helgoland, ist trotz seines langen Titels ein wortkarger Helgoländer. Um so mehr Gewicht hatte kürzlich die Ansprache an Landsleute in Hamburg auf der Monatsversammlung der halluner moats. Dort versicherte er ihnen, daß das zweite Seebäderschiff der HADAG bereits im Bau sei. Bei der Leistungsfähigkeit unserer Werften wäre es darum durchaus möglich, daß dieser Neubau schon im Mai/Juni 1956 in der Helgolandfahrt auftaucht.

Direktor Spießen von der HADAG goß jedoch Elbwasser in diesen Helgoländer Wein. Selbstverständlich habe sich, so sagte er ungefähr, die Hapag als verantwortungsbewußte Reederei nach dem Ergebnis der Saison 1955, in der die "Wappen von Hamburg" oft überfüllt fahren mußte, sehr mit der Frage eines zweiten Schiffes dieser Größenordnung befaßt, aber über die Planung sei man bisher noch nicht hinaus. Die "Wappen von Hamburg" hat nach seinen Angaben von der Planung bis zur Indienststellung 15 Monate benötigt; das Schwesterschiff wird bei der heutigen Inanspruchnahme der Werften mehr dazu benötigen. Es könne frühestens, wenn es noch jetzt, im auslaufenden Jahr 1955, bestellt würde, 1957 mit der anlaufenden Saison in Fahrt gesetzt werden.

Soviel Sorgen und Schwierigkeiten die "Wappen von Hamburg" auch den Eignern im Jahre 1955 bereitete – die Fahrgäste haben davon am allerwenigsten gemerkt; denn das Schiff hat sich ausgezeichnet auf seinen Helgoland-Fahrten bewährt. Da aber die Insel erst 1957 mit nennenswerter Bettenzahl wird aufwarten können, so ist das zweite Schiff als Zubringer und als Garant eines störungsfreien Fahrplans erst ab Pfingsten 1957 nötig. Dann wird es – das sagte Direktor Spießen zwar nicht ausdrücklich, aber es stand "zwischen den Zeilen" – bestimmt zur Stelle sein. Das Wort Hapag-Seebäderdienst fiel in diesem Gespräch über den Neubau noch nicht. H.