Prinz Ernst August von Hannover hat auf Zuerkennung der britischen Staatsbürgerschaft geklagt und ist damit in zweiter Instanz auf Grund eines Gesetzes von 1705 auch durchgedrungen. Dieses alte Gesetz – es sichert den Nachkommen der Kurfürstin Sophie von Hannover, so sie als legitim zu betrachten sind, die britische Staatsbürgerschaft zu – wäre wohl niemals mehr strapaziert worden, hätten sich die Allierten nicht in Potsdam darüber geeinigt, das deutsche Vermögen im Ausland, also auch in Österreich, zu beschlagnahmen. Der Staatsvertrag hat offenbar unter die Konfiskation des hannoveranischen Besitzes in Österreich das endgültige Siegel gesetzt. Es sind recht bedeutende Werte, um die es sich dabei handelt. – Wenn man bedenkt, daß es der blinde König von Hannover war, der, an der Seite Franz Josephs kämpfend, 1866 Land und Krone verlor, dann ins Gebiet des kaiserlichen Bundesgenossen zog und dort jenes inzwischen beschlagnahmte Land erwarb, so muß man zugeben, daß es sich hier um einen Fall besonderer Härte handelt. Wenn der Prinz auch in letzter Instanz Erfolg hat, so ist der Besitz in Österreich gerettet.

Für die Familie dürfte dies wohl die wichtigste Folge sein, für die Historiker und Schriftsteller aber, die, wie etwa Lernet Holenia, an solchen altertümlichen Verstrickungen Gefallen finden, ergäben sich eine Fülle bizarrer Aspekte. Daß Prinz Ernst August als Herzog von Cumberland ins House of Lords einziehen und in Zukunft von den gewöhnlichen englischen Gerichten nicht mehr belangt werden könnte, ist keinesfalls das Seltsamste. Denn interpretiert man das Gesetz von 1705 im Sinne der zweiten Instanz, so ergibt sich, daß sowohl Kaiser Friedrich als auch Kaiser Wilhelm II., ohne es zu wissen, die britische Staatsbürgerschaft besessen haben. Wäre also der Kaiser 1918 in englische Hand geraten, so hätte gegen ihn als "britischen Staatsbürger" Anklage – wegen Hochverrats erhoben werden können. In seiner Not hätte Wilhelm II. allerdings geltend machen können, daß er, nach englischem Recht, nur ein illegitimes Kind gewesen sei, denn der vorgeschriebene Konsens zur Heirat der Eltern – siehe den "Royal Marriage Settlement Act" von 1772, der Prinzessin Margaret soviel Schwierigkeiten bereitet hat – war vom englischen Souverän weder angefordert noch erteilt worden. mu