Im Fernsehstudio des Hessischen Rundfunks hat man, mehr als an anderen Orten, den Mut zum Wagnis. Am Bußtag bewährte man ihn durch die Aufführung eines Werkes, das nun gar nicht auf der Ebene des sogenannten "Publikumsgeschmacks" liegt und dessen ernster Würde sich doch, wie die Erfahrung zeigte, auch der zunächst befremdete Zuschauer nicht entziehen konnte: Reinhold Schneiders dramatische Dialoge "Gericht über Las Casas" – jenes erdachte Streitgespräch vor Kaiser Karl V. mit dem Dominikanerpater Las Casas, der die spanische Eroberungspolitik in Amerika als Verrat am Christentum brandmarkte; eine Verhandlung, aber eigentlich keine Handlung, mehr Wort als Bewegung, gerade für das Fernsehen ein besonders spröder Vorwurf. Aber Fritz Umgelter, der Frankfurter Bearbeiter und Regisseur, hatte erkannt, daß unter Umständen Gesichter mehr vermögen als noch so bewegte Aktionen. Und er konnte über Gesichter verfügen, die der Großaufnahme standhielten: Malte Jaegers brennende Augen und nervöser Mund zeichneten den Juristen der scharfen Staatsräson, Claus Bauers gespannte Muskeln und spöttische Lippen den Conquistador, dessen Tat keine Bedenken kennt, Kurt Ehrhardts (des Hannoverschen Intendanten) großflächiges, von innerer Erregung zuckendes Antlitz den einstigen Weltmann, der vor dem Anblick der Unmenschlichkeit Buße getan hat und zum Anwalt der mißhandelten Indianer geworden ist – und ihm gegenüber der edle Kopf des Münchener Intendanten Kurt Horwitz, stumm zuerst, fast teilnahmslos, ein müder Kaiser, dann aber aufleuchtend vor Sympathie mit dem Kämpfer des Geistes, ein resignierender Weltherrscher ohne Hoffnung für sein Werk, aber nicht ohne Hoffnung für die Menschheit. Intensiver noch als die Worte des Dichters sprachen diese mit sorgsamem Bedacht ausgewählten Köpfe, und der abdankende Kaiser strahlte jene tiefe Stille aus, die auf dem Fernsehschirm so oft der Turbulenz weichen muß, weil man – ganz zu Unrecht – meint, es müsse "was los sein", wenn der Zuschauer aufmerken soll.

Wir werden sehen:

Der Filmdarsteller Hans Richter inszeniert in Hamburg ein "lustiges Trauerspiel" nach dem Theaterstück "Les Hussards" des Franzosen Breal, in dem der Mutterwitz einer italienischen Magd zwei Soldaten der "Siegermacht", napoleonische Husaren, aus einer schlimmen Situation rettet.

Wir werden hören:

Donnerstag, 24. November, 20 Uhr vom NWDR Köln:

Wenige Tage nach der Kölner deutschen Erstaufführung die Hörspielbearbeitung des neuen Stückes "Of und der Mond" von dem Flamen Paul Willems, dem liebenswürdigen Dichter des "Bärenhäuter". Of ist ein (von Günther Lüders gesprochener) kluger Hund, der sich zwischen sehr menschlichen Personen bewegt.

20.45 aus München: Die Bamberger Symphoniker unter Joseph Keilberth spielen Paul Hindemiths "Philharmonisches Konzert", Ravels Klavierkonzert (mit Branka Musulin) und Smetanas "Aus Böhmens Hain und Flur". – 22.20 aus Stuttgart: Hanni Mack singt sechs Lieder von Albert Roussel. – 23.00 aus Frankfurt: Hans Werner Henzes Ballettmusik zu Dostojewskijs "Idiot". – 23.15 vom NWDR Köln: Ein musikalisches Nachtprogramm von Heinz-Klaus Metzger: ",Zwölftonmusik’ – ein Schlagwort, das vor der Zwölftonmusik nicht bestehen kann." – 23.15 vom SWF: Kammermusik moderner Italiener (Petrassi, Dallapiccola und Veietti).