Von John Gale

Rabat, Mitte November

Im Hotel war es ruhig geworden. Getanzt wurde nicht mehr, seit die Bombe durch die großen Glasfenster gekommen war. Draußen peitschte der Regen aufs schimmernde Pflaster.

Die Boys sahen sich Photographien des Sultans in den Zeitungen an. "Armer Sultan – hier sieht man ihm an, wie er nachdenkt – er ist so ernst." Sie schüttelten die Köpfe. "Siehst du, er ist viel dünner geworden."

Die Boys trugen einen roten Fez auf dem Kopf, rote Jacketts mit goldenen Knöpfen und weite, rote Pumphosen. Viel Zeit verbrachten sie damit, in der Ecke zu rauchen, meistens hinter dem Lift. Tabak ist nämlich in Marokko französisches Staatsmonopol, und die Terroristen hatten angekündigt, sie würden jeden erschießen, der raucht. Die Jungen waren lieber vorsichtig.

Diese Boys sind Nationalisten, aber mit Maßen. Sie hörten zu, wenn Radio Kairo zu Gewalttaten aufrief. Ab und zu kamen sie heimlich zu uns aufs Zimmer und zeigten uns Papierfähnchen mit den Farben des Sultans, rot und glänzend, mit goldenen, fünf zackigen Sternen. Sie hatten auch Bilder vom Sultan, für die sie 800 Francs (etwa zehn Mark) ausgegeben hatten. Sie dachten immer nur an den Sultan und waren glücklich dabei.

Französische Journalisten kamen und gingen, umhüllt vom Dunst ihrer Gauloise-Zigaretten; ernste Männer mit eckigen Schultern, langen Beinen, Jacketts, die ihnen bis zu den Knien reichen, hellen Schuhen mit dicken Kreppsohlen, schweren Hornbrillen und dunklem Kinn. "Nichts Neues?", fragten sie kurz und verschwanden schnell wieder in der Drehtür.