Sieben Millionen Deutsche sind nun in diesem Reisejahr unterwegs gewesen, jeder siebente Deutsche war verreist, hat ausgespannt, genoß seine Ferien, zeltete, wanderte, so wird meistens mit großer Begeisterung, manchmal mit leisem Tadel, gemeldet. Bei einem Durchschnittsurlaub von 14 Tagen (wahrscheinlich zu niedrig gegriffen, viele Jugendliche bekommen mehr, viele Selbständige sind länger unterwegs) sind das rund 100 Millionen Nächte, die von diesen sieben Millionen reisenden Deutschen in fremden Betten verbracht wurden.

Die beunruhigende Frage: Sind diese modernen Nomaden, die Völkerwanderer, auch in diesem Jahr unstet und ruhelos, gejagt von ihren PS, von ihren Rundreisebillets, von ihren Netzkarten, von ihrem "Das - nehme - ich - noch - mit - Fimmel", durch die kaum wahrgenommenen Landschaften geeilt?, wird von der schnell arbeitenden Statistik auch Schon beantwortet. Es wird wieder länger verweilt. Es hat unter den sieben Millionen mehr Reisende gegeben, die den Sinn des Urlaubs wieder zurückerobert haben und sich seßhaft machten, da wo es am schönsten war. Das Pendel ist in diesem Jahr zurückgeschlagen. Die grenzenlose Hast scheint langsam zu verebben. Wer noch in den letzten Jahren gar nicht genug kaleidoskopartige Eindrücke sammeln konnte, suchte diesmal Ruhe, Beschaulichkeit, wirkliches Ausspannen.

Es scheinen vielversprechende Anfänge zu sein. Es gab viele Orte, die vollbesetzt waren, deren Besucher die Wagen weitab einstellten und die Schlüssel abgaben, um in keine Versuchung zu geraten. Die Anhänger der Campingbewegung sind, ja auch meist Leute, die gern festsitzen und keineswegs jede Nacht "woanders" biwakieren wollen. Im Ausland sind es zur Zeit die Schweiz und Frankreich, die melden, daß es mit dem schlimmsten Nomadenwesen zurückgehe. Noch nicht erfaßt von dieser glücklichen Erscheinung sind Österreich und Italien, beides Länder, die zuviel bieten, und daher zum Vagabundieren herausfordern. Italien hält auch in diesem Jahr den "Weltrekord im Fremdenverkehr".

Bei uns waren von jeher die Nord- und Ostseeküste, der Harz und die Berge in Norddeutschland Gegenden mit seßhaftem Besuch. Lebendig, quirlend von Menschen war und bleibt immer der Rhein, bleiben auch die großen Städte wie München, Hamburg, Frankfurt, Köln, sie alle leben vom Kommen und Gehen. Dagegen hat sich Oberbayern in die Reihe der Landschaften zurückgegliedert, die man in der Ruhe genießen muß, und es tat gut daran, denn es ist ohnehin Durchgangsland für den Besuch von anderen Alpenländern hinter der Zugspitze, dem Watzmann und Berchtesgaden. Zu Beginn der Wintersaison wissen wir es: Man reist wieder, um anzukommen. H.M.