"Die große Protektion" in Braunschweig

Der Vermittler Kafkas, Max Brod, hat der deutschen Bühne abermals einen Autor erschlossen. Brods Anteil daran ist so groß, daß bei der europäischen Erstaufführung in Braunschweig Die große Protektion von Efraim Kishon den Namen Brods als Mitautor führte. Daß Kishon, heute 31 Jahre alt, seit 1949 in Israel lebt und dort als Zuwachs der neuhebräischen Literatur gilt – die jüdische Schauspielertruppe Habimah spielte das Original der "Großen Protektion" 120mal – in der deutschen Fassung erkennt man es allenfalls am Handlungsort: Denn da Kishon seine Heimatstadt Budapest und Brod das Prag seiner frühen Jahre schreibend noch im mitschwingenden Gefühl hat, wurde "Die große Protektion" für Europa in der Ämterpatronage der österreichisch-ungarischen Monarchie angesiedelt.

Man muß ein Protegé sein, um zu Amt und Geld zu kommen. Ein Empfehlungsschreiben genügt zuweilen. Je unbekannter der Verfasser, desto leichter läßt sich die empfehlende Persönlichkeit zu einer grauen Eminenz, vor der alles zittert, mystifizieren. So geschah’s dem harm- und mittellosen Privatgelehrten Ernst Magnus Schaffler. Um an seine Mietschulden nicht gemahnt zu werden, stellte er einem aus dem Ausland heimkehrenden Neffen seines Vermieters das geforderte Empfehlungsschreiben aus. Und nun geht’s los: Einmal in Furcht gesetzt vor dem großen Unbekannten, schiebt die Bürokratie selbst den ahnungslosen, braven Mann bis auf einen Direktorposten. Brod (oder Kishon) ist in den "braven Soldaten Schwejk" viel zu sehr verliebt, als daß er die mög lichen Situationen, wie dort den Militarismus so hier die Bürokratie durch sich selbst zu blamieren, nicht reihenweise vorführte. Und das wurde so effektvoll besorgt, daß die Premierenbesucher aus dem Lachen nicht herauskamen.

Freilich, es hätte auch schiefgehen können. Doch Helmut Geng, der Braunschweiger Oberspielleiter, hatte zwischen Reportage und Satire den schmalen Grat eines Aufführungsstils gefunden, auf dem die Typenkomik betulich ausgepinselt war und gleichzeitig – durch eine Simultanbühne unterstützt – der kabarettistische Wind unnaturalistisch scharf ins Parkett wehte. Johannes Jacobi