Der Mittelstand geht nicht unter, auch wenn das "Untergangsgerede" noch so vernehmlich durch die vorparlamentarischen Räume hallt. Der Mittelstand braucht nicht zu befürchten, zwischen den großen Blöcken zerrieben zu werden: weil nämlich nur zerrieben werden kann, was als greifbare Substanz vorhanden ist... Als greifbare Substanz aber ist der Mittelstand nicht vorhanden. Mittelstand ist, wie Dr. Ilau es jetzt auf der Arbeitstagung der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft in Bad Godesberg formulierte, als soziologische Funktion und Haltung zu begreifen: Mittelstand ist keine ökonomische, sondern eine soziale Kategorie.

Davon sollte jedes Gespräch über Mittelstandspolitik ausgehen. Die Praxis – auch die Diskussion während der Godesberger Tagung – zeigt aber immer wieder nur das Vordergründige. Die "Mittelstandsfrage" ist eben noch nicht die Frage nach der soziologischen Funktion, sie ist vielmehr die Forderung nach verbesserter ökonomischer Position.

Der enge Zusammenhang zwischen Mittelstand und freiheitlicher Ordnung im Gesellschaftlichen so gut wie im Wirtschaftlichen wurde von der Aktionsgemeinschaft begreifbar gemacht. Ob er in der mittelstandspolitischen Praxis begriffen wird? Die materiellen Anliegen des gewerblichen Mittelstandes mögen, wie Prof. Erhard sagte, durchaus legitim sein. Aber jede Nachgiebigkeit gegenüber protektionistischen Appellen dieser Gruppe bedeutet einen weiteren Verlust an menschlicher und wirtschaftlicher Freizügigkeit. Der interventionsfreudige Staat wird wieder zu neuen Experimenten ermuntert. M. D.