Das Bäckerhandwerk und die Brotfabriken haben ganz offensichtlich "nicht alle Brötchen im Ofen". Noch hatte sich die Erregung um Milch- und Kartoffelpreis nicht gelegt, da erklären in Nordrhein-Westfalen die Bäcker, sie müßten den Brotpreis erhöhen. Das geschah, als die Lohnverhandlungen mit der IG Metall festgefahren waren, als der Bundeswirtschaftsminister wie auch Präsident Vocke ihr Warnungen gegen Preistreiberei und Ministerpräsident Arnold seinen Appell des Maßhaltens ausgesprochen hatten. In diese Situation stieß die Brotpreis-Fanfare "genau richtig" hinein – die politische Naivität jener Mittelstandskreise ist wirklich nicht mehr zu überbieten!

Aber selbst wenn beim Brot- und Brötchenbacken das Fingerspitzengefühl verlorengeht, dann bleibt doch noch der Tatbestand der Einstandskosten für jenes Gewerbe ungeschminkt erhalten. Jedenfalls haben das Wirtschaftsministerium und das Ernährungsministerium von Nordrhein-Westfalen in einer gemeinsamen Verlautbarung die Preispolitik der Brotbäcker schärfstens verurteilt und in jeder Weise für ungerechtfertigt erklärt.

An einer Mehlpreiserhöhung um 2 DM für den Doppelzentner Weizen oder 1 DM für den Doppelzentner Roggen soll die Brotpreiserhöhung "aufgehängt" und damit in Nordrhein-Westfalen großen Teilen der Bevölkerung der Brotkorb höher gehängt werden. Als nach der vorjährigen Ernte die Preise je Doppelzentner Weizenmehl um 5 DM und bei Roggenmehl um 2,50 DM herabgesetzt worden waren, verschluckten die Brotbäcker diese Preisermäßigung still und heimlich, ohne den Brotpreis um einen einzigen Pfennig zu senken. Die unerhebliche Korrektur nach oben, die jetzt beim Mehlpreis erfolgt ist, bietet daher nicht den geringsten Anlaß zu einer begründeten Brotpreiserhöhung. Der Versuch, es dennoch zu tun, wirkt um so mehr wie eine Herausforderung, als auch, jetzt nach der leichten Mehlpreiserhöhung die Brotpreise in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein noch um 4 bis 6 Pfennig je kg niedriger sind als in Nordrhein-Westfalen. Rlt.