Iö., München

Am 28. November wird der Ausschuß des Bayrischen Landtags zur Untersuchung derr Vorgänge bei der Vergebung der Spielbankkoonzessionen seine Arbeit wieder aufnehmen müsssen, wobei zu hoffen ist, daß am Ende dieser zweeiten Halbzeit nicht wieder trotz allem nur ein "Unentschieden" stehen wird, wie dies jetzt der Fall war.

Ein trübes Licht fiel durch die hohen Fenster des Plenarsaales im Münchner Maximillianeum, als am 14. November der Ausschuß des Landtags unter Vorsitz von Martin Hirsch (SPD) seine Arbeit begann. Gleich zu Anfang mußten in "geheimer Beratung" Verfahrensfragen geklärt werden, weil Siegfried Simon Gembicki – (der Mann, dem das trübe Licht gut zu Gesichte stamd – den als Ausschußmitglied amtierenden Abgeordneten Dr. Hanauer (CSU) als "befangen" abgelehnt hatte. Hanauer, der über den Spielbankkonzessionär Gembicki urteilen sollte, hatte sich einst selbst für die Errichtung einer Spielbank in Starnberg interessiert; notabene, in seinem eigenen Wahl- und Stimmkreis. Doch kam Gembicki mit seiner Ablehnung nicht durch. "Der Antrag ist nicht zulässig", entschieden die Abgeordneten kurzerhand.

Unter diesen Vorzeichen betrat der Zeuge Peter Carl Stahl den Saal, Kaufmann und Vorsitzender der westdeutschen Spielkasinos und Spielgerätehersteller. Er repräsentiert mit Karl Wilhelm von Siemens eine der Finanzgruppen, die in Bad Kissingen nicht zum Zuge gekommen waren, als sie sich dort um die Spielbankkonzession bemühten und damit Gembickis Kreise störten. Ausdrücklich bestätigte er, daß Gembicki sich stark gemacht habe, die "bayrische Koalition in die Luft zu sprengen", wenn er, Gembicki, die Konzession in Bad Kissingen nicht bekommen würde. "Außerdem hat ja der Oberbürgermeister von Bad Kissingen, Dr. Weiß (CSU), ein festes Abkommen, aus dem er nicht mehr heraus kann", so hat Gembicki – wie Peter Carl Stahl erklärte – damals behauptet. Wie dieses Abkommen aussah, stellte sich dann bei der Vernehmung des Kissinger Oberbürgermeisters heraus: Gembicki hatte dem Stadtoberhaupt einen Aufsichtsratsposten mit 1000 DM Gehalt versprochen. "Das ist doch so üblich", meinte erstaunt Gembicki, als man ihn deswegen befragte.

Siegfried Simon Gembicki, der zur Nazizeit ausgebürgert worden war, ist mit den ein marschierenden amerikanischen Truppen wieder nach Deutschland zurückgekommen. In Frankfurt wurde er bald stellvertretender Stadtkommandant. Im Jahre 1952 erhielt er die deutsche Staatsangehörigkeit auf Wunsch zurück. Schon im Jahre 1949 hatte er sich um die Spielbankenzulassung in Bayern bemüht. "Seit damals, also in sechs Jahren,, habe ich fast sechs Millionen Dollar verloren", beteuerte der kleine, gedrungene Mann mit schleppender Stimme dem Vorsitzenden Martin Hirsch,, der verständnislos ins Leere sah.

Dieser Ausdruck der Verständnisslosigkeit schwand jedoch rasch. Denn nun kamen Dinge ans Licht, die im Interesse einer sauberen Verwaltung und vertrauenswürdigen Regierung deutlich angeprangert werden sollten: Da bot als Exponent dunkler Hintermänner ein Caféhauspächter aus Bad Wiessee über eine viertel Million Mark dafür, daß Gembicki sein Interesse an der Spielbanckonzession in Bayern fallen ließe. Da tauchte der Kissinger Oberbürgermeister Dr. Weiß – zufällig, wie es heißt – im Spielkasino von Bad Homburg auf, das von Frau Gembicki geleitet wiird. Man lernte sich kennen, und es war eine freundliche Begegnung. Da gab Simon Siegfried Gembicki in München im Eulenspiegelkeller ein kleines; Fest für Künstler, das ihn die runde Summe vom 15 000 Mark kostete. "Ein Fest für Künstler vom Künstlern", wie Gembicki erklärte. Als einziger Nichtkünstler war der Kissinger Oberbürgermeister Dr. Weiß zugegen. Für ihn allein sei das Fest veranstaltet worden? Nein, das konnte nicht bewiesen werden. Selbst als sich herausstellte, daß das Kissinger Stadtratsmitglied Schuster, der mit aller Entschiedenheit für die Konzessionsvergabe an Gembicki im Stadtrat eingetreten war, anschließend Angestellter und später sogar treuhänderischer Gesellschafter bei Gembicki wurde, fand man "nichts dabei".

Muß genauso "harmlos" auch die Tatsache erscheinen, daß die Spielbankreferenten des Innenministeriums, Dr. Kanaein und Baron von Teuchert, öfters mit Gembicki speisten? Sollte dabei über Konzessionen gesprochen worden sein – was die Beteiligten leugnen –, so haben die gemeinsamen Mahlzeiten dem Spielbanklöwen nichts genützt. Denn Dr. Kanaein wurde zum Landesamt für Verfassungsschutz (ausgerechnet dorthin!) versetzt, und hinter der Tür des Spielbankenreferats saß Oberregierungsrat Dr. Zimmermann, und mit ihm hatte Gembicki noch nicht gespeist.