s. l., Berlin

Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) wurden dieser Tage in der Sowjetzone zahlreiche neue Schießstände, Kampf- und Sturmbahnen angelegt, so im Kreis Oranienburg nördlich von Berlin eine Sturmbahn, ein Tontaubenschießstand und fünf Kleinkaliber-Schießstände. Gleichzeitig schrieben die in einem GST-Ausbildungslager zusammengefaßten Studenten der Universität Leipzig einen Brief an Wilhelm Pieck, in dem sie berichteten, sie hätten sich reichliche "militärische Kenntnisse zur Verteidigung unserer Republik" angeeignet, zahlreiche Schieß- und andere Leistungsabzeichen erworben und sich zu Ehren seines bevorstehenden 80.Geburtstages verpflichtet, "die Kampfbereitschaft und Kampfkraft der Studenten durch militärische Ausbildung in der GST zu erhöhen".

Die Statuten der am 7. August 1952 gegründeten Organisation erklären in Paragraph zwei "die Verteidigung der Heimat" für jedes Mitglied zur "hohen patriotischen Pflicht", und als besonderes Ziel der GST nennt ein amtlicher Kommentar die Aufgabe, "Sportschützen auszubilden, die, wenn es notwendig ist, morgen für alle Feinde des Volkes gefährliche Scharfschützen sein werden, Segelflieger auszubilden, die unsere morgigen Piloten sein werden, und Seesportler heranzubilden, die schon morgen aktiv unsere Seegrenzen beschützen".

Der Eintritt in die GST steht allen Jungen und Mädchen von vierzehn Jahren an offen. Gegenstand der Ausbildung sind Motor- und Wassersport, Segel-, Motorflug- und Fallschirmsport, Schieß- und Geländesport sowie Amateurfunken. Ausbildungsstunden finden zweimal wöchentlich statt, einmal im Monat gibt es eine vierstündige Wochenendschulung, Ablegung von Leistungsprüfungen ist Pflicht, und die gesamte Arbeit vollzieht sich "unter Anleitung des Ministeriums des Innern", dem auch die Kasernierte Volkspolizei untersteht.

Der Eintritt der Jugendlichen in die GST erfolgte anfangs aus echter Neigung für Sport und Technik, weshalb sich die GST-Leitung schon frühzeitig veranlaßt sah, die starke Bevorzugung des Motorsports vor dem Gelände- und Schießsport als "falsche politische Einstellung" zu rügen. Schon am ersten Jahrestag der Gründung rief das GST-Sekretariat zum "schärfsten Kampf gegen Nur-Sportlertum, Pazifismus und Neutralität" auf, Scharnhorst und Gneisenau wurden den Sportlern als leuchtende Vorbilder neben Marx und Thälmann empfohlen, die These vom unpolitischen Sport bekämpft, und heute leugnet niemand mehr den militärischen Charakter der Gesellschaft.