Zur Internationalen Weizenkonferenz, die Ende Oktober begonnen hat, sind Vertreter von 47 Staaten, den Mitgliedern der Internationalen Weizenkonvention, nach Genf gekommen. Es soll hier der Versuch unternommen werden, die Differenzen in der Preisfrage zwischen den Überschuß- und den Bedarfsländern zu beseitigen und auch die Preispolitik der Erzeugerländer aufeinander abzustimmen. Fraglich erscheint allerdings, ob so die Voraussetzungen für ein neues Weizenabkommen zu schaffen sind, oder ob nach dem 31. Juli 1956 ein vertragloser Zustand eintritt.

Die entschiedene Opposition, auf die das Internationale Weizenabkömmen in England gestoßen ist und die schließlich dazu geführt hat, daß dieses wichtigste Importland sich aus dem (im August 1953 in Kraft getretenen) zweiten Nachkriegsabkommen zurückzog, beruht auf der Auffassung, daß der Nutzen des Abkommens einseitig den Produzenten zugute gekommen sei. Die Importländer aber hätten höhere Preise für Weizen anlegen müssen, als es unter freien Marktverhältnissen notwendig gewesen wäre.

In den Vereinigten Staaten sind die Marktverhältnisse ganz besonders verwirrend. Eine vom Staat hoch subventionierte Weizenerzeugung hat zu einem enormen Weizenüberschuß geführt, dessen Unterbringung die Regierung vor die größten Schwierigkeiten stellt. Die schlechten Ernährungsverhältnisse in übervölkerten und wirtschaftlich unentwickelten Ländern sowie Mißernten in anderen Staaten haben die USA, aus politischen, wirtschaftlichen und humanitären Erwägungen gleicherweise, dazu veranlaßt, große Weizenbestände entweder zu verschenken oder aber dafür Rohstoffe und Waren der Importländer einzutauschen. Praktisch wird hierdurch das Internationale Weizenabkommen, das (zum Schutz der Erzeugerländer) einen Höchstpreis festsetzt, durchbrochen. Hiergegen protestierte insbesondere Kanada, als das (nach den Vereinigten Staaten) größte Erzeugerland, das seine Weizenverkäufe ausschließlich zu Marktpreisen durchführt. Die beiden nordamerikanischen Länder haben die zwischen ihnen strittige "Weizenfrage" Ende September vor dem in Ottawa tagenden "Amerikanisch-Kanadischen Komitee für Handel und wirtschaftliche Angelegenheiten" behandelt. Neben Außenminister Dulles waren die USA-Minister für Finanzen, Handel und Landwirtschaft zugegen, während Kanada durch Außenminister Pearson und die drei entsprechenden Ressortminister vertreten war. Die Konferenz blieb ohne praktisches Ergebnis.

Während damals, im Gegensatz zu Kanada, die USA gegen eine Teilnahme an einer neuen Weizenkonvention waren, haben sie inzwischen ihre ablehnende Haltung revidiert. Auf der Eröffnungssitzung der Internationalen Weizenkonferenz in Genf erklärte der Führer der US-Delegation, Marvin Mc. Lain, seine Regierung billige den Gedanken eines neuen Weltweizenabkommens, "um die Verhältnisse im Weizenhandel und die Preise zu stabilisieren" – unter der Voraussetzung, daß das Abkommen "den größten Teil des internationalen Weizenhandels" umfasse.

Der wichtigste Faktor bei den Genfer Beratungen ist, daß in den Getreidespeichern der Welt 2,374 Mrd. bushel Weizen eingelagert waren, noch ehe die diesjährige Ernte eingebracht wurde. Hiervon lagern allein 1,3 Mrd. bushel in den USA. Obwohl diese drückenden Weizenüberschüsse dazu beitragen, die Position der Käufer zu starken, haben die Regierungen der Importländer doch alles Interesse daran, eine langfristig wirksame Stabilisierung der Preise auf einer wirtschaftlich vernünftigen Grundlage zu unterstützen. Ob die Voraussetzungen hierfür zu schaffen sind, wird sich erst auf der Anfang nächsten Jahres beginnenden zweiten Sitzungsperiode der Weltweizenkonferenz entscheiden. ek.