Die Klöckner-Werke AG, Duisburg und ihre Tochtergesellschaften legen zusammen mit der Klöckner-Bergbau Königsborn-Werne AG den oHV’s am 9. Dezember Zwischenbilanzen Sir ein neun Monate umfassendes Geschäftsjahr per 30. Juii 1955 vor. Damit hat Klöckner wieder den Berichts-Turnus der früheren Jahrzehnte erreicht und einen der letzten Bilanzierungseingriffe der ehemaligen alliierten Kontrollbehörden beseitigt. In der Berichtszeit befand sich die westdeutsche Stahlindustrie in einer steten kräftigen Aufwärtsentwicklung, die zu immer neuen Höchstzahlen in Auftragseingängen, Produktionen, Auslieferungen und Umsatzwerten führte. Die Klöckner-Gruppe hat ihren Anteil an der westdeutschen Rohstahlerzeugung gut gehilten. Wenn die Wertumsätze weiter erhöht werden konnten, so liegt dies nur zum Teil an gewissen kleinen Preiskorrekturen. Die westdeutschen Stahlpreise sind nämlich trotz der außerordentlichen Marktnachfrage innerhalb der Montan-Union auch weiterhin die niedrigsten geblieben. Im Vergleich mit den Preisen, die bei Eröffnung des Gemeinsamen Marktes vorlagen, sind die gegenwärtgen Eisenpreise nicht gestiegen, während die Indizes der Preise vieler Güter und Leistungen, besonders am die der Löhne, seither erhöht sind.

Die Umsätze der Klöckner-Gruppe haben inzwischen (auf das volle Jahr vom jeweils 1. Juli bis 3). Juni gerechnet) 1954/55 1,269 Mrd. DM, gegen 1,036 im Vorjahr und 1,139 in 1952/53 erreicht. Darin sind keine Handelsumsätze einbegriffen, wohl aber die Lieferungen innerhalb der verbundenen Betriebe mit einem Anteil von 14,2 v. H. Die Belegschaft hat sich in der glichen Zeit von 40 611 über 40 743 auf 43 218 Menschen erhöht.

Zügig läuft das im Frühjahr d. J. mit 300 Mill. DM angegebene Investitionsprogramm ab. Im Berichtsabschnitt (neun Monate) wurden Bauvorhaben über 98 Mill. DM, gegen 63 Mill. DM im Vorjahr, durchgeführt. Die Erhöhung geht im wesentlichen auf das Vorhaben Bremen zurück. Ab 1. Januar 1956 steht ein Investitionsprogramm von noch 230 Mill. DM bevor, bei einem jähilichen Abschreibungsvolumen von etwa 85 Mill. DM. Trotz Auslaufens des § 36 wäre demnach von dieser Seite kaum mit einer wesentlichen Entlastung der Kostenseite zugunsten des Jahresertrages zu rechnen. Man habe andere wesentliche Abschreibungsbedürfnisse zu befriedigen kommentierte die Verwaltung; im übrigen würden die bevorstehenden Lohnerhöhungen die Klöckner-Gruppe mit jährlich etwa 10 Mill. DM zusätzlich belasten. Jedenfalls wird der Wegfall des § 36 – obwohl diese Hoffnung in den letzten Jahren wiederholt von verschiedeien Seiten geäußert worden war – keinen Raum für Preissenkungen und kaum Raum für Dividendenerhöhungen bieten. Wir möchten allerdings annehmen, daß die nächste Klöckner-Dividende doch wohl etwa 8 v. H. betragen wird, nachdem für das Zwischengeschäftsjahr der oHV eine Dividende von 5,5 v. H. oder 7,3 v. H., aufs Jahr gerechnet, vorgeschlagen worden war.

Die Ertragskraft der Gruppe basierte auf einer Jahresproduktionsleistung 1954/55 von 5,296 (5,167) Mill. t Kohle, 1,459 (1,411) Mill. t Koks und 1,609 (1,265) Mill. t Rohstahl. Letztere ist um 27 v. H. gestiegen, liegt also im allgemeinen Durchschnitt. Die derzeitige Rohstahlproduktion läßt auf das laufende Jahr vorausgerechnet eine Leistung von 1,7 Mill. t erwarten. Der Vorsitzer des Vorstandes, Dr. Gerhard Schroeder, kennzeichnete in diesem Zusammenhang die Marktlage sehr optimistisch. Es gebe für die deutsche Stahlindustrie nur ein Gebot, nämlich jene Produktionsmengen sicherzustellen, die notwendig seien, um den deutschen Verbrauch voll zu decken. Dieser Verbrauch liege zur Zeit erheblich über der deutschen Stahlleistung, so daß die deutsche Wirtschaft ihre einstige Stellung als Stahlexportland verloren hätte und zu einem Stahlimportland geworden sei. Die Auftragseingänge waren wieder im Ansteigen, die Absatzlage sei sehr gut, nirgends wären unangemessene Vorratslager bei der weiterverarbeitenden Kundschaft oder beim Handel festzustellen, so daß keine Einbrüche in die derzeitig gute Konjunktur zu erwarten seien.

Innerhalb des Klöckner-Bereiches, so war weiterhin zu hören, würden die Investitionen "in harmonischem Gleichklang" durchgeführt, d. h. alle Werksteile würden ihre Modernisierungen und Rationalisierungen in Abstimmung miteinander durchführen. Das zur Zeit größte Projekt ist der Aufbau der Klöckner-Hütte Bremen, wo inzwischen die Fundamentierungsarbeiten für das Stahlwerk und die beiden Walzwerke gut vorangekommen sind. Im Hüttenwerk Haspe ist das zur Zeit modernste Feineisenwalzwerk des Kontinents im Mai 1955 in Betrieb genommen worden; der Bau der Drahtfertigstraße dürfte im Frühjahr 1956 beendet sein, so daß Klöckner dann über ein besonders leistungsfähiges Feineisen- und Drahtwalzwerk verfügt. Nach Fertigstellung der Erdgasleitung aus dem Wintershall-Gelände von Rehden zur Georgsmarienhütte und zum Stahlwerk Osnabrück werden diese beiden Betriebe wärmewirtschaftlich nur noch mit Erdgas beheizt. Die Mannstaedt-Werke in Troisdorf haben ihre Feineisen- und Bandstraße ebenfalls fertiggestellt. Auch die Bergbaubetriebe haben umfangreiche Modernisierungen erhalten.

Inder konsolidierten Konzernbilanz werden die Anlagen mit 325 (298) Mill. DM, im Bau befindliche mit 11 (30) und die Anzahlungen auf Neuanlagen mit 47 (19) Mill. DM, zusammen mit 384 (348) Mill. DM aktiviert. In diesen Zahlen sind die Positionen der Hütte Bremen mitenthalten. Die Bilanz läßt sich ebenso wie die Gewinn- und Verlustrechnung wegen des Zeitraumunterschiedes (drei Quartale und vier Quartale) und der Übernahme der Bremen-Positionen nicht ohne weiteres vergleichen. Im einzelnen lauten die Zahlen per 30. Juni 1955: Bestände 130 (92), Warenforderungen 76,6 (70,1), Konzernforderungen 18,1 (14,4), flüssige Mittel 13,3 (17,7). andererseits Grundkapital unv. 210, Rücklage unv. 21, andere Rücklage 130 (137), wobei die Differenz, über Gewinn- und Verlustrechnung zwecks Deckung der nichtabzugsfähigen Teile des Lastenausgleichs und der Vermögenssteuer verbucht ist, Rückstellungen 120,9 (112, – davon rund 60 v. H. Pensionsfonds –, Anleiheschulden 119,6 (95,4), Warenschulden 65,3 (36,8) neben Akzepten von 19,9 (17,7) Mill. DM. Der Gegenwartswert der Vermögensabgabe beträgt 101,8 Mill. DM. Der Jahresertrag (neun Monate) erscheint mit 285 (307) neben ao. Erträgen von 3,9 (5,4) und Beteiligungserträgen von In (0,5) andererseits Löhne und Gehälter 127,8 (148), Sozialaufwand 45 (49), Abschreibungen 70,1 (70,9), davon über § 36 33,2, und Steuern 41 (42,1) Mill. DM. Der Jahresgewinn wird mit 11,55 (7,35) Mill. DM ausgewiesen. Die bedingte Kapitalerhöhung von 42 Mill. DM wird in Kürze durchgeführt. 11.