Für alles Technische verlassen wir uns heute auf die Industrie, die ja rastlos neue Geräte entwickelt. Auch die meisten deutschen Funkanstalten arbeiten, wenn es sich um neue Apparaturen handelt, direkt mit der Industrie. Nicht so der NWDR (solange es ihn noch gibt). Seiner Abteilung Zentraltechnik sind so wichtige Anlagen zu verdanken wie die Ultrakurzwellensender und das Fernsehnetz – technische Leistungen, die für ganz Deutschland vorbildlich wurden. Heute sind hier 60 v. H. der Arbeitsvorhaben der Verfeinerung der Fernsehtechnik gewidmet. Wie ergiebig aber die dem Hörfunk verbleibenden 40 v. H. sind, zeigte eine Vorführung neu entwickelter Aufnahmegeräte für den unterwegs befindlichen Funkreporter (keineswegs etwa für den unkontrollierten Gebrauch von jedermann). Da ist das Koffermagnetophon mit eingebauten Batterien, dessen Klangqualität nicht hinter den Studiogeräten zurücksteht. Da ist das „transportable Funkhaus“, ein Übertragungsverstärker im Gewicht von 7 Kilo, der direktes Sprechen vom Ort der Reportage auf das Sendenetz ermöglicht. Da sind das geräuschempfindliche Mikrophon, das eine Berichterstattung in lärmerfüllten Räumen erleichtert, und (ein Zauberkunststück besonderer Art) das „Tele-Mikrophon“mit dem der Reporter auf bestimmte akustische Komplexe innerhalb eines wild durcheinanderwogenden Geschehens (zum Beispiel bei einem Fußballspiel auf die Pfeife des Schiedsrichters) schärfer einstellen kann. Zwei weitere Neuigkeiten der „Abteilung Nestel“ wirken vollends wie Erfüllung von Wunschträumen: das drahtlose Mikrophon erlaubt dem Reporter, bis zu 50 Metern von seinem „Stützpunkt“ wegzutreten und (auf einer mit der Post vereinbarten Ultrakurzwelle) das Aufgenommene durchgehen, und endlich ist Bandraffer und -dehner bringt das bisher für unmöglich Gehaltene zustande, indem er (was oft erwünscht ist) Tempoverschiebungen beim Ablaufenlassen des Bandes gestattet, ohne die Tonhöhe des Gesprochenen oder Gespielten zu verändern. Bei der Entwicklung all dieser so ungemein dienlichen Apparate war die Nähe zu einem Funkhaus wichtig. Professor Nesteis „Zentraltechnik beim NWDR“ kann eben schneller und billiger arbeiten als ein funkfremdes Entwicklungsbüro. Im Interesse des Hörers wäre daher zu wünschen, daß die Arbeit der Abteilung „Forschung und Entwicklung“ auch nach der Aufteilung des NWDR, also nach dem 1. Januar 1956, zentral fortgeführt werden kann.

Wir werden sehen:

Mittwoch, 7. Dezember, 20.40 Uhr:

Aus Stuttgart eine Fernsehfassung von Arthur Millers Schauspiel „Alle meine Söhne“ – eine interessante Erweiterung des Repertoires dramatischer Dichtungen im Fernsehprogramm.

Donnerstag, 1. Dezember, 20.00: Aus dem Wiesbadener Staatstheater die Übertragung von Ermanno Wolf-Ferraris Oper „Die schalkhafte Witwe“ (nach Goldonis Komödie). – Dienstag, 6. Dezember, 20.20: Aus Baden-Baden ein Fernsehspiel nach Tolstojs Erzählung „Wo die Liebe ist, da ist auch Gott“.

Wir werden hören:

Donnerstag, 1. Dezember, 22.10 Uhr vom NWDR Hamburg: