J. B., Bonn

Das Nachrichtenblatt der Bonner Studentenschaft, vom Allgemeinen Studentenausschuß herausgegeben, hat vor einigen Tagen eine Zuschrift veröffentlicht, in der der 20jährige Jurastudent Klaus Petri Hitler und den Nationalsozialismus verherrlichte und die „Widerständler“ verhöhnte. Inzwischen hat er seine Zuschrift mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückgenommen. In der gleichen Ausgabe empfiehlt das Blatt den Bezug der „Rheinisch-Westfälischen Nachrichten“.

Gewiß ist die Veröffentlichung des Studentenblattes kein Geniestreich. Es gibt in Deutschland wie in jedem anderen Lande natürlich auch ein paar tausend Verbrecher. Also wird es auch unverbesserliche Nazis oder Neonazis geben. Es besteht jedoch nicht der geringste Anlaß zu der Vermutung, daß diese sich ausgerechnet in der akademischen Jugend gesammelt haben sollten, und insoweit war die Veröffentlichung der Studentenzeitung überflüssig. Genauso überflüssig aber scheint die überscharfe Reaktion des Rektors der Bonner Universität, der dem ASTA seine Mißbilligung über diese Veröffentlichung aussprach, des Polizeipräsidiums, das eine Untersuchung der Publikation auf ihre Staatsgefährdung eingeleitet hat und des Bundeskanzlers, der nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ darüber empört ist.

Im Interesse der Öffentlichkeit wäre es viel wichtiger gewesen, festzustellen, von wem und aus welchem Grunde der verbilligte Bezug der „Rheinisch-Westfälischen Nachrichten“ empfohlen wurde; denn durch die schwer kontrollierbare Verbreitung derartiger Publikationen kann viel eher eine Beeinflussung entstehen, die sich der Korrektur durch eine offene Auseinandersetzung entzieht.