Das Landgericht München I hat dieser Tage einen Streitfall beendet, bei dem es einerseits um die Ehre eines bekannten Kunstwissenschaftlers, andererseits um das Selbstbewußtsein eines reichen Kunstsammlers ging. Der schweizerische Waffenfabrikant Bührle nämlich hatte eine einstweilige Verfügung gegen ein Buch des ungarischen Kunstexperten Martin Porkay („Auf dem Karussell der Kunst“) erwirken wollen, weil darin die Echtheit eines Selbstporträts von Rembrandt, das Bührle von Natan Katz erworben hatte, bestritten wird. Über dieses Porträt hat übrigens Porkay schon 1950 im Selbstverlag eine kritische Studie („Das gegeißelte Rembrandtbild“) publiziert und nachzuweisen gesucht, daß das Bild eine Fälschung ist. Das Gericht hat sich nicht kompetent gefunden, diese Frage bindend zu entscheiden. Es hat lediglich den Antrag Bührles abgelehnt und die Kosten des Verfahrens zu Zweidrittel dem Antragsteller, zu einem Drittel Porkay zudiktiert. Porkay wurde verpflichtet, einige Formulierungen seines Buches abzuändern, durch welche der schweizerische Industrielle sich in seinem Ansehen als Kunstkenner reduziert fühlte.

Außer der kunstwissenschaftlich interessanten Echtheitsfrage war an diesem Streitfall noch bemerkenswert, daß Bührle seine Einwände gegen das Buch erhoben hatte auf Grund seiner vorzeitigen Kenntnis der Fahnenabzüge. Sie aber können keinesfalls anders als auf illegalem Wege in seine Hände gelangt sein. So kommt zu dem ungewöhnlichen Unterfangen, daß ein – wenn auch als Kenner geltender – Laie einem Fachmann die freie Äußerung seiner Meinung unterbinden will, noch ein seltsamer Beigeschmack fragwürdiger Methoden, der überdies bei der Gerichtsverhandlung durch das anmaßende Verhalten des schweizerischen Anwaltes nicht gerade gemildert wurde.

Was nun das umstrittene Rembrandtselbstbildnis betrifft, so kommt in den Reproduktionen des Buches „Das gegeißelte Rembrandtbild“ der Sachverhalt so überzeugend zutage, daß fast kein Zweifel an einer Fälschung mehr möglich scheint. Auch hat die Meinung Porkays bereits seit Jahren die Zustimmung vieler anderer berufener Kunstexperten gefunden. Es konnte demnach Bührle bei seinem Vorstoß lediglich darauf ankommen, nicht zugeben zu müssen, daß er mit seiner Erwerbung hereingefallen war. Das ist – vielleicht – ein subjektiv begreifliches Motiv, aber kein Argument gegen eine seriöse Expertise. A-th