Es ist gewiß recht publikumswirksam, wenn ein namhafter Experte die Probleme seines Fachgebietes so simplifiziert, daß dabei eine Schwarz-Weiß-Malerei entsteht. Man sollte aber nicht meinen, daß der Staatssekretär eines Bundesministeriums vor einem Gremium wie der Deutschen Wirtschaftlichen Gesellschaft, also vor Persönlichkeiten, die an wirtschaftliches Denken auch dann gewöhnt sind, wenn es in nicht ganz gradlinigen Bahnen verläuft, dieselbe Methode anwendet. Solches tat jedoch (am Vorabend der Eröffnung der „Grünen Woche“ in Berlin) Staatssekretär Sonnemann von jenem Ministerium, das „für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten“ geschaffen wurde, also die Interessen sowohl der Produzenten als auch der Konsumenten zu vertreten hat.

Dazu schien das Thema „Landwirtschaft und Außenhandel“ sehr geeignet zu sein. Die Darstellung aber erinnerte zuweilen stark an die Stellungnahmen und Forderungen maßgeblicher Bauernverbandsfunktionäre, wenn etwa immer wieder betont wurde, die unbestreitbare Produktionssteigerung der deutschen Landwirtschaft habe es „der gewerblichen Wirtschaft erst ermöglicht, die nicht für die Einfuhr von Nahrungsgütern verbrauchten Devisen für den Import industrieller Rohstoffe zu verwenden“. – Unsere Leser werden, sich entsinnen, daß der „grobe Denkfehler“, auf dem diese Sonnemann-Theorie aufbaut, in der ZEIT (Nr. 47/1955, unter dem Titel „Was ist gemeint?“) mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit klargestellt worden ist. Schade, daß der Herr Staatssekretär unbelehrbar ist... Im weiteren übersteigerte der Vortragende noch seine Schwarz-Weiß-Malerei, als er die landwirtschaftlichen Einfuhr- und Versorgungspläne der Bundesregierung – nicht etwa seines Ministeriums, wie er ausdrücklich betont hatte – der „Planlosigkeit der Kohle- und Stahl-Wirtschaft“ gegenüberstellte. Der Verzicht auf jegliche Planung aus doktrinären Gründen sei „nicht gleichbedeutend mit wirtschaftlichem Fortschritt“, ließ sich der Staatssekretär vernehmen, und wenn jetzt die gewerbliche Wirtschaft zur teuren und devisenfressenden Einfuhr von Kohle und Stahl gezwungen sei, so könne man ihr Vorwürfe nicht ersparen.

Nun wissen wir endlich aus berufenem Munde, woher „das besorgniserregende Verhältnis der Bauernschaft zum Staat“, von dem Sonnemann einleitend gesprochen hatte, in letzter Konsequenz stammt: von der undoktrinären Planlosigkeit, mit der sich die deutsche Industrie in wenigen Jahren einen Auslandsmarkt nach dem anderen zurückerobert hat. Und wie glücklich können wir sein, daß wenigstens die Agrarpolitiker einen so trefflichen Plan verfolgt haben, der zu jener „besorgniserregenden“ Unzufriedenheit der Bauernschaft geführt hat, die uns demnächst durch den „Grünen Bericht“ der Bundesregierung plausibel gemacht werden soll. G. G.