Die AEG legt eine Bilanz für 1954/55 vor, die den schönsten Beweis dafür bietet, daß ihre, allen classischen Grundsätzen widersprechende Finanzierung des Wiederaufbaues möglich und deshalb auch richtig war. Sie hat nämlich zu einem vollen Erfolg geführt. Heute überdecken wieder die eigenen Mittel und die langfristigen Verbindlichkeiten das Anlagevermögen. Die Liquidität ist ausgesprochen gut. Wertpapiere, geleistete Anzahlungen und Bankguthaben liegen zusammen mit rund 188 Mill. DM um etwa 59 Mill. DM über den Vergleichszahlen des Vorjahres. Das ist mehr, als die Erhöhung des Stammkapitals ausmacht. Auch ohne die Kapitalerhöhung wäre daher eine Verbesserung der Liquidität festzustellen gewesen. So hat das Unternehmen jetzt wieder einen erheblichen Liquiditätspuffer gewonnen, durch den sein Investitionsprogramm weitgehend gesichert wird, und zwar auch für den Fall, daß bei einem Wandel der Konjunktur die Zahlung gen nicht mehr so prompt eingehen wie heute. Die Liquiditätsverbesserung wurde erreicht, obwohl sich die Umsätze im vergangenen Jahre nochmals um 25 v. H. erhöht haben. Die damit erreichte Kapazitätsausnutzung und die weiterhin durchgeführten Rationalisierungsmaßnahmen verbesserten die Rentabilität.

Die Aktionäre haben hiervon einen Gewinn. Die Dividende wird nochmals um 1 v. H. auf 9 v. H. erhöht. Auch die Belegschaft hat an der günstigen Entwicklung teilgenommen. Die Löhne sind im letzten Geschäftsjahr erneut um etwa 5 v. H. gestiegen. Beides entspricht den Aufbesserungen, die im Vorjahre erfolgten. Damals war es allerdings darüber hinaus möglich, auch die Allgemeinheit an dem Geschäftsergebnis durch Preisabschläge von etwa 5 v. H. partipizieren zu lassen. Das gibt es jetzt nicht mehr. Hierfür sind die Kosten der Produktion, vor allem durch Preiserhöhungen bei den Vorprodukten, zu sehr gestiegen. Ob sich die Preise künftighin auf dem heutigen Niveau halten lassen, erscheint der Verwaltung nicht unbedingt sicher.

Der Auslandumsatz der AEG hat sich nochmals erhöht. Die Bestellungen aus dem Auslande sind jedoch nicht in dem gleichen Maße wie der Auftragseingang aus dem Inlandgeschäft angestiegen. Der Wettbewerb auf den Weltmärkten ist heute sehr scharf. Dies gilt um so mehr, als die AEG zur Spitzengruppe der elektrotechnischen Industrie der Welt gehört und daher in direkter Konkurrenz mit den leistungsfähigsten ausländischen Unternehmen steht. Die Spitzenstellung ist nur zu verteidigen, wenn durch laufende Verbesserung der technischen Ausrüstung die Leistungsfähigkeit der Fertigungsbetriebe ständig erhöht wird. Ein großer Teil der Investitionen des vergangenen Jahres hat dem bereits Rechnung getragen. In der Zukunft wird es nicht anders sein. Die Sicherung der Außenfinanzierung ist deshalb bedeutungsvoll.

Als ein wesentlicher Schritt zur Normalisierung ist weiterhin zu werten, daß die AEG im vergangen Juni für ihre Amerikaanleihen ein Regelungsangebot gemäß dem Londoner Abkommen von 1953 veröffentlichen konnte. Es ist inzwischen von den Gläubigern angenommen worden, deren Forderung sich auf über 70 v. H. des rechtmäßig möglichen Höchstbetrages an Schuldenregelungsbonds belaufen. Es ist damit zu rechnen, daß im Laufe der Zeit sich dieser Satz noch verbessern wird. Für den verbleibenden Rest werden die alten Schulden ebenfalls gesichert, sie werden jedoch nach den bestehenden Bestimmungen nicht bedient! die entsprechenden Zahlungen fließen vielmehr in eine Rücklage. Rgb