New York, im Februar

Tennessee Williams’ bisher einziges Lustspiel„The Rose tatoo“ ist in seiner „Filmform“ die treue, bildlich bereicherte Wiedergabe seines reichlich animalischen, aber sinnen echten Humors. Des Dichters zunächst gar nicht leicht durchgesetzter Wunsch aber, die Hauptrolle der unvergleichlichen Italienerin Anna Magnani anzuvertrauen, ergab, was in Amerikas Filmwelt bisher noch nie dagewesen war: eine schauspielerische Temperamentsleistung, die mit den strengen Hollywooder Grundsätzen des „Unterspielens“, das heißt, mit dem zurückhaltenden, sorgfältig beherrschten Agieren bricht. Die Magnani zeigt in ihrer Rolle ein Ungestüm und eine überschäumende Vitalität, die auch die Filmkritik zu wahren Jubelausbrüchen veranlaßt hat. Die Magnani ist in jeder Geste die massiv liebeshungrige Witwe im sizilianischen Fischerdorf (das Williams in die Nähe von New Orleans verlegte). Sie erhebt sich triumphal über die an sich dünne Handlung der Liebeskapitulation vor einem Anbeter, der den Mut und den skurrilen Einfall aufbringt, ihrem unvergessen liebestüchtigen Gatten ähnlich zu werden durch die Rosentätowierung auf der breiten Mannesbrust.

So liegt der wahre Wert dieses Films nicht in den vielen optischen Erweiterungen des Milieuhintergrundes, nicht in der bewegteren Drolligkeit der Figuren oder der gründlicher ausgedehnten Situationskomik. All dies, ist reichlich gegeben. Jedoch ist einmalig in diesem Film die der Magnani eigene und kaum mehr komische, eigentlich unabweisbar erschütternde Gestaltung dieses unbekümmert und unverbildet impulsiven Weibsbildes, einer Prachtgeburt aus Dummheit und Feuer, einer abergläubisch und stupid Zügellosen, einer zerknirschten, aber unaufhaltsamen Sünderin mit dem großen Mutter- und Frauenherzen, einer unbewußten und ahnungslosen Messalina aus dem Volke, deren derbe Lustgesundheit schon wieder keusch und herzensrein ist. Daß hier Überfluß und Übermut an Kraft und Saft nie in Übertreibung ausarten, ist das besondere Geschenk dieser Künstlerin.

Ludwig Ullmann