Alle westdeutschen Börsen standen in der vergangenen Woche fast auschließlich im Zeichen des Bayer-Bezugsredites, so daß die übrigen Faktoren, die üblicherweise zu Beginn eines Jahres die Wertpapiermärkte beschäftigen, in den Hintergrund traten. Da nach Schätzungen der Banken nur etwa 60 bis 80 v. H. der Bayer-Aktionäre das Bezugsrecht ausgenutzt haben, war das Bezugsrechtangebot relativ hoch, namentlich am letzten Notierungstag, an dem die nicht ausgenutzten Bezugsrechte der in der Sowjetzone lebenden Aktionäre zum Verkauf kamen. An der Hanseatischen Wertpapierbörse stellten sich die Bayer-Bezugsrechte auf 32 3/8, 32 3/8 und 29 v. H. Trotz des seit Jahresbeginn um etwa 30 Punkte auf 236 v. H. zurückgenommenen Bayer-Aktienkurses wurde also die rechnerische Parität niemals erreicht.

Nachdem zunächst die Ausgabe der bayerischen Schatzanweisungen die Illusionen zerstört hatte, die in bezug auf die Leistungsfähigkeit des westdeutschen Kapitalmarktes vielerorts gehegt wurden, dürften nunmehr die Vorgänge um das Bayer-Bezugsrecht endgültige Klarheit über seinen wahren Zustand geschaffen haben. Die Börse wird sich darauf einstellen müssen, daß Kapitalerhöhungen bei den Gesellschaften nicht unbedingt ein anregendes Moment zu sein brauchen, sondern unter gewissen Voraussetzungen eine harte Belastung für den Kurs bedeuten. Die Knappheit am Geldmarkt, in diesem Monat verstärkt durch Vermögensteuer- und Lastenausgleichstermin, die Stillegung der Gelder durch den Bund sowie die unsicheren Kursgewinnchancen bei den Aktien haben die Möglichkeiten zur Zeichnung junger Aktien gegenüber dem Vorjahr zur Zeit vermindert.

Der wieder angespannte Geldmarkt hat die Kurse für die öffentlichen Anleihen bruchteilig abbröckeln lassen. Für Anlagezwecke wurden von den festverzinslichen Werten die Auslandsbonds bevorzugt. Bei den Montanen gab es einzelne Verkäufe zu Geldbeschaffungszwecken, so daß die Kurse nur knapp gehalten werden konnten. Eindeutig schwach lagen Gelsenkirchener Bergwerk, die bis 146 v. H. abfielen. Die Interessenkäufe haben hier völlig aufgehört. Nutznießer der rückläufigen Kursentwicklung ist die Verwaltung, die den Aktionären bei einer Durchführung der Kapitalerhöhung die Abnahme des Bezugsrechtes auf Basis der rechnerischen Parität zugesagt hat. Stärker bewegt war der Rheinstahl-Kurs. Hier spielen die Spekulationen auf das neue Umstellungsverhältnis des Rheinstahl-AK eine Rolle – eine Frage, die nicht nur Herrn Krages, sondern auch die zahlreichen kleineren Aktionäre brennend interessiert. Die Börsentaxen für die künftige Relation lagen zeitweilig bei 1 : 1,4.

Die Kurse der IG-Farben-Nachfolger litten begreiflicherweise am stärksten unter dem Bayer-Bezugstecht. Im Vergleich zu anderen Werten „gleicher Klasse“ sind diese Papiere offensichtlich preiswert geworden. Unter diesem Eindruck stand auch der Berufshandel, als er in den jungen Bayer-Aktien beträchtliche Meinungskäufe zum niedrigsten Kurs vornahm. Die Mittel wurden teilweise durch Tauschoperationen beschafft, die zu Lasten der jungen Aktien von Bad. Anilin und Hoechst gingen.

Die Lokal- und Spezialwerte waren kaum verändert. Bemerkenswert Ist der Kursanstieg bei Conti-Gummi von 276 auf 284 v. H. Das gestiegene Interesse bringt die Börse in Zusammenhang mit den Gerüchten über die angeblichen Schwierigkeiten im Hirsch-Konzern, der an den Metzeler-Gummiwerken maßgeblich beteiligt ist. Es sind Kombinationen zu hören, nach denen die Süddeutsche Bank, die Hausbank von Metzeler, von Hirsch das Metzeler-Aktienpaket übernimmt und Über die Hausbank von Conti-Gummi (Norddeutsche Bank) eine Verbindung zwischen beiden Unternehmen der Reifenindustrie hergestellt werden wird. Sowohl die Süddeutsche Bank AG als auch die Norddeutsche Bank AG haben diese Versionen inzwischen energisch dementiert, -n d t

Die Demag AG, Duisburg, die mit zu den ersten Ausstellern der Hannoverschen Messe gehört, wird auf ihrem auf 40 000 qm erweiterten Ausstellungsstand im Zentrum des Messegeländes von Hannover-Laatzen einen massiven Bau errichten, der noch zur Eröffnung der Deutschen Industrie-Messe am 29. April fertig sein soll. Durch diesen Bau und die damit verbundenen Verträge hat sich die Demag für weitere zehn Jahre an die Deutsche Industrie-Messe gebunden und ist damit dem Beispiel vieler führender Firmen aus der Stahlbranche gefolgt. Die Grundsteinlegung erfolgte im Auftrage des Demag-Vorstandes durch Dipl.-Ing. Peter Nickel, er wies darauf hin, daß sein Unternehmen mit diesem Ausstellungsgebäude auf der Hannoverschen Messe rund 2 Mill. DM investiere.