Schäffer und seine Leser

Mit Interesse verfolgte ich das temperamentvolle Streitgespräch um den „Juliusturm“. Fühlte sich bei der Lektüre des Beitrags von Fritz Baade der Wirtschaftsdilettant (Liebhaber) in mir erfreulich bereichert, so las ich des Herrn Ministers Antwort mit gespannter Teilnahme (DIE ZEIT vom 19. Januar 1956). Ist er doch der Mann, der zu entscheiden hat, auch über mein Wohl und Weh in dieser Sache und der diese Gewalt von mir erhalten hat (wenn ich auch dabei – denn politisch bin ich nicht einmal Dilettant – nicht an ihn, sondern an Konrad Adenauer dachte). Nun, da ich seine Worte gelesen, kann ich meiner bitteren Enttäuschung nur Herr werden, indem ich sie Ihnen schreibe!

Nicht das, was er sagte, mißfällt mir. O – das mag alles richtig sein. Aber es war doch gar keine Antwort auf den sachlichen Vorwurf des Herrn Prof. Baade! Warum drückt er sich um diese Antwort? Entweder, so rätsle ich, hat Herr Schäffer gar nicht gesehen, was gemeint war: nämlich, daß der Finanzminister einer Volkswirtschaft nicht für künftige Ausgaben ein Bankkonto anlegen kann wie der Schatzmeister einer Kleinstadt. Aber denkt denn unser Bundesfinanzminister in den kameralistischen Gedankengleisen eines kleinbürgerlichen Beamten? Oder hat er nicht antworten wollen?

Übrigens, ganz am Schluß, als Dreingabe gewissermaßen, ist er doch noch auf „das Gerede von der plötzlichen Überschwemmung der deutschen Volkswirtschaft“ eingegangen. Auch ein Lösungsweg ist angedeutet: Im Ausland soll gekauft werden, soweit jedenfalls das Benötigte „im Ausland beschafft werden kann“. Es führt wohl hier zu weit, darzulegen, warum das schwierig und unerfreulich ist und wieviel bessere Wege es gäbe. Wege, die sogar anderweitig Vorteile zeitigten, zum Beispiel eine Vorfinanzierung des Lastenausgleichs, Tilgung von Schulden, Steuersenkung und so weiter.

Eigentlich müßte das der Herr Minister am besten wissen. Warum verschließt er sich denn allem und gibt nicht einmal ordentlich Antwort? Ich werde doch das nächste Mal anders wählen müssen – wenn das was nützt. P. Gebhardt, Hamburg

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Die Zuschrift des Herrn Dipl.-Kaufmann Siepmann in Nr. 5 veranlaßt zu einigen Gegenbemerkungen. Passend zum Klima der staatsbürgerlichen Einstellung unserer Zeit ist der Satz: „Man muß den Mut bewundern, den der Herr Bundesfinanzminister besitzt, das steuerzahlende Publikum irrezuführen.“ Man erinnert sich an einen Satz an gleicher Stelle, wo der Leitartiklerin der ZEIT unterstellt wurde, sie bezöge ihre Artikel aus dem Bundeskanzleramt.