Die Erklärung Eisenhowers und Edens ist ein Appell an die Neutralen Asiens

Als Präsident Eisenhower und der britische Premierminister Sir Anthony Eden beim Abschluß ihrer dreitägigen Besprechungen eine Erklärung veröffentlichten, in der die Prinzipien der westlichen Politik und Lebensanschauung noch einmal umrissen wurden, ging eine Welle enttäuschter Entrüstung durch die westliche Presse: das seien Worte und nicht Taten; Phrasen, nichts als hohle Phrasen, so hieß es. Welch oberflächliche und phantasielose Kritik! Welch kleingläubiges Geschlecht, das heute den vielgepriesenen Westen bevölkert! In Indien kann man oft die Auffassung hören, der Westen denke nur materialistisch; für ihn zähle allein der Erfolg, und geistige Werte hätten offenbar keine Realität für ihn. Die Reaktion auf die Eisenhower-Eden-Erklärung könnte man in der Tat als Bestätigung dieser These ansehen.

Was eigentlich in dieser Erklärung stand? Es war darin die Rede von "dem uralten Kampf zwischen jenen, die glauben, daß der Mensch seinen Ursprung und seine Bestimmung in Gott hat, und jenen, welche den Menschen behandeln, als ob er nur dazu bestimmt sei, der Staatsmaschine zu dienen". Es hieß dann weiter, man glaube, daß der Staat für den einzelnen und nicht der einzelne für den Staat da sei. Und daraus folge wiederum das Recht der Völker auf Regierungen eigener Wahl. Genau dies sei daher die Grundlage der Innen- und Außenpolitik des Westens. Kürzer und prägnanter kann man wohl kaum formulieren, worum es eigentlich geht. Jedenfalls dann nicht, wenn man die religiös-metaphysische Begründung ernst nimmt und sie nicht nur für einen Trick hält, machtpolitische Bestrebungen zu verdecken. Und einleuchtender hätte man es auch nicht sagen können, denn für die asiatischen Völker ist der Respekt vor dem Göttlichen ganz selbstverständlich, während der intellektuelle Begriff der Freiheit – von der bisher so ausschließlich die Rede war – ihnen im Grunde nichts sagt. Und eines werden doch wohl auch unsere "Realpolitiker" zugeben: daß selbst, wenn die ökonomische Leistungsfähigkeit und der Lebensstandard in Ost und West eines Tages der gleiche sein würde, die beiden Systeme immer noch durch eine tiefe Kluft getrennt wären.

Jene Erklärung ist also keineswegs ein Schwall hohler Worte; sie stellt vielmehr in einer für alle verständlichen Form dar, worauf es ankommt. Hier wird nämlich zum erstenmal klargemacht, daß es sich nicht um Pakte handelt, sondern um eine Entscheidung zwischen der Welt mit Gott und der ohne Gott. Auch in seiner Antwort auf den ersten Bulganin-Brief hat Eisenhower deutlich zum Ausdruck gebracht, daß alles, was Bulganin vorschlage, ja schon in der Charta der UNO beschworen sei und daß durch neue Pakte und Wiederholung alter Beteuerungen die Situation nicht verbessert werde.

Neue Geschäfte mit alten MIGs

Man kann jene Eisenhower-Eden-Erklärung nicht isoliert betrachten, sondern muß sie in Zusammenhang mit den beiden großen Ereignissen des letzten Jahres sehen: mit der ersten Genfer Konferenz und der Reise der sowjetischen Machthaber durch die neutralen Staaten Asiens. Wie sieht dieser Zusammenhang aus? In Genf ist beiden Teilen der Welt klargeworden, daß die Erfindung der Wasserstoffbombe die Möglichkeit eines dritten Weltkrieges ausschließt. Daraus ergaben sich für die Kommunisten ganz bestimmte Konsequenzen: sie konnten ihr riesiges stehendes Heer geringfügig abbauen – um 600 000 Mann (das entspricht ungefähr der Gesamtstärke der französischen Wehrmacht) und die frei werdenden Kräfte in die Wirtschaft stecken, wo sie sehr viel nützlicher sein werden. Sie entschlossen sich ferner, einen Teil des veralteten Kriegsmaterials überall dorthin zu verschenken oder zu vertauschen, wo es sich in politisches Kapital verwandeln läßt: nach Süd- und Mittelamerika und in den Nahen Osten. Ägypten wird bekanntlich 200 bis 300 Düsenjäger vom Typ MIG 15 aus der Tschechoslowakei erhalten.

Die Gewißheit der Sowjets, ein wenig schärfer "rangehen" zu können, ohne gleich einen "Korea-Krieg" zu riskieren, der womöglich in einen weltweiten Krieg ausartet, und ferner die Möglichkeit, die frei gewordenen wirtschaftlichen Kapazitäten volksbeglückend in Asien einzusetzen, bestimmen seither die Entwicklung. Die Ungarn bauen eine Brücke über den Nil; die Polen rekonstruieren die im ersten Weltkrieg zerstörte Hedschas-Bahn; die Tschechen werden in Ägypten eine Waffenfabrik und die DDR vielleicht eine Automobilfabrik aufbauen. Doch lassen wir einmal den Nahen Osten und betrachten wir nur, was Bulganin und Chruschtschow auf ihrer Reise durch Indien, Burma und Afghanistan diesen drei Ländern an Unterstützung zugesagt haben, um zu verstehen, daß die angedeutete Entwicklung bereits voll im Gange ist. Hier ihre Versprechungen: