Von Georg Britting

In den Indianergeschichten meiner Jugend las ich das Wort zum erstenmal. Brennendes Wasser – ich konnte mir nichts Rechtes darunter vorstellen, und sah grünliche Flämmchen aus dem Glas züngeln, daraus man es trank. An eine Hexenküche mußte ich denken. Das Feuerwasser führte den Untergang der Indianer herbei, las ich, die alles, alles hingaben, es zu bekommen. Es handelte sich ganz einfach um Schnaps, begriff ich dann, es wird ein elender Fusel gewesen sein – aber er berauschte und öffnete die Tore zu einem Himmel des Vergessens. Es wanderte die Flasche am Lagerfeuer von Mund zu Mund, und die unbegreiflichen Sterne sahen zu. Schön aber ist der Name: Feuerwasser!

Am Bodensee hat man den Obstler. Zwetschgen, Birnen, Äpfel, alles durcheinander, Fallobst zumeist, gibt ein starkes Feuerwasser, bäuerisch-derb, der Kenner weiß es zu schätzen. Feiner ist das Kirschwasser oder das Zwetschgenwasser, aus unvermischter Frucht. Das Edelste unter den Frucht-Fässern aber ist der Himbeergeist. Du mußt an ihm riechen, bevor du ihn trinkst! Mit dem Obstler mach keine Umstände!

Was flach der Kelterung von den Weintrauben bleibt, ist der Trester. Aus ihm gewinnt man auch ein Feuerwasser, in Italien Grappa genannt. Der tut gut, wenn man fette, in Öl gebratene Fische gegessen hat. Für manche ist das nur eine Ausrede, und sie trinken ihn um seiner selbst willen. Eine gute Ausrede ist einen Batzen wert, pflegte mein Vater zu sagen. Der Batzen ist ein Geldstück, das nicht mehr im Umlauf ist.

Der Sliwowitz ist das Zwetschgenwasser des Balkans, aus den bosnischen Pflaumen gebrannt. Bosnien war, es ist noch gar nicht so lange her, eine österreichische Provinz. Als Bub sah ich in Passau, der Grenzstadt, dahinter es habsburgisch wird, die „Fledermaus“ mit Gästen von drüben. Der lustige Gefängniswärter Frosch, schief gesetzt die hohe, österreichische Dienstmütze, brachte die Sliwowitzflasche schier nimmer vom Mund. Für ihn war der Sliwowitz noch ein vaterländisches Getränk. Als ich meinen ersten trank, in Zagreb, das damals Agram hieß, mußte ich an ihn denken, und wie er sich den Schnauzbart wischte nach jedem Zug.

Was ist von Frankreich zu berichten? Es hat die Stadt und die Landschaft Cognac – da weiß nun jeder Bescheid! Ein Weinbrand auch, ein naher Vetter des Cognacs, ist der Armagnac. Frankreich hat auch seine Liköre. Süß sind sie, damenhaft. Im groben Bayern nennt man das Weiberschnaps.

In Miltenberg, am Flusse Main, zwischen Weinhügeln, war ich oft bei Freunden zu Gast, an glänzenden Sommertagen. Einmal hatte Fritz, der Mann, zehn Flaschen Armagnac geschenkt bekommen, eine Kiste voll. Er glaubte es mit Wein zu tun zu haben und stellte Weingläser auf den Tisch. Als erstem goß er mir das Glas voll. Ich sah es gern, und wehrte ihm nicht. Als er aber fortfahren wollte in solchem Tun, klärte ich den Sachverhalt. Schnell erschienen Sdmapsgläser.