Am 1. Januar 1956 enthielt die Flottenliste der Hamburg-Amerika Linie (Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, Hamburg) 31 Seeschiffe mit 168 113 BRT (oder 242 337 tdw). Im Bau befinden sich weitere 10 Seeschiffe mit insgesamt 48 900 BRT. In der Bilanz für 1954 werden die Anschaffungskosten der bis zum 31. Dezember 1954 vorhandenen oder in Auftrag gegebenen Flotte mit rund 305,4 Mill. DM bei 175 592 BRT betragen. Die Aufbringung dieser gewaltigen Summe war eine der Hauptaufgaben, der sich die Reedereileitung in den letzten Jahren gegenübersah. An Eigenmitteln standen einschl. der in Aktien umzuwandelnden Kredite (29,4 Mill. DM), die von einem Bankenkonsortium zur Verfügung gestellt wurden, insgesamt 77,4 Mill. DM zur Verfügung. Über den Bund flossen 92,3 Mill. DM Wiederaufbaudarlehen, als langfristige Kredite wurden 135,7 Mill. zur Verfügung gestellt. Die Fremdfinanzierung in dem dargestellten Umfang schien der Verwaltung deshalb vertretbar, weil von den langfristigen Krediten 76,9 Mill. DM ohne Zinsbelastung aufgenommen werden konnten.

Durch den Zuwachs der Flotte hat sich das Anlagevermögen auf 231,2 (172,7) Mill. DM erhöht. Dabei ist beachtenswert, daß dieser Posten durch die langfristigen Mittel weit überdeckt wird. Wesentlich für die Aktionäre der Reederei dürfte die Herabsetzung des Kapitalentwertungskontos um 7,9 auf 23,7 Mill. DM sein, das ursprünglich 37,5 Mill. DM betrug. Seit 1948 sind also rund 14 Mill. getilgt worden. Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, daß dieses zweifellos günstige Ergebnis nicht allein den Betriebsgewinnen zu danken ist, sondern in 1954 die Freigabe von Schweizer Vermögenswerten mit rund 6,4 Mill. daran malgeblich beteiligt war Der eigentliche Gewinn, der zur Tilgung zur Verfügung stand, betrug hingegen nur 13 Mill. Noch ist also rund die Hälfte des 46,37 Mil. DM betragenden Hapag-AK verloren. Selbst wenn mal berücksichtigt, daß zumindest das Geschäftsjahr 1955 ebenfalls befriedigend verlaufen ist, wie die Verwaltung ausdrücklich bekanntgibt, so erscheinen hoffnungsvolle Prognosen, die von einer endgültigen Bereinigung des Hapag-AK im Verhältnis von möglicherweise 1 : 1 sprechen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch als verfrüht. In Hinblick auf die Wiederaufnahme der Passagierfahrt wird ausgeführt, daß der Reederei angesichts der Größe der dafür erforderlichen Investitionen der Bai solcher Schiffe bislang nicht möglich gewesen ist. Der bisherige Standpunkt, im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten eine gewisse Mitwirkung für den Fall zur Verfügung zu stellen, daß Wege gefunden werden können um die deutsche Flagge im überseeischen Linienverkehi wieder zu zeigen, wird also beibehalten. Im übrigen hat das Ratengeschäft in 1954 dadurch gelitten, daß das Konferenzratenniveau der ständigen Steigerung der Betriebskosten nur sehr langsam folgte. Die schleppende Abfertigung in den überseeischen Häfen, die teilweise die Zeitersparnis aus der höheren Geschwindigkeit der Schiffe überdeckt, diskriminierende Maßnahmen verschiedener Länder zur Unterstützung ihrer nationalen Flotten, Devisenrestriktionen und steuerpolitische Maßnahmen haben das Geschäft behindert. Von einzelnen Fahrtgebieten abgesehen, konnte ab Ende 1954 bis jetzt eine anhaltend gute Kapazitätsausnutzung der Tonnage erreicht werden. K.W.