zu Advokaten geht — so heißt es — kommt aus den Prozessen nicht heraus. Wer selbst nicht weiß, was er eigentlich will, und mal auf diesen, mal auf jenen Berater hört, verspielt seine Chance, Unternehmer zu werden. Diese Chance hatte Hermann D. Krages in den letzten Jahren mehrmals, ohne sie zu nutzen. Statt wirklich irgendwo zu einem Großaktionär zu werden, das heißt: mehr als 50 v. H eines Aktienkapitals auf sich zu konzentrieren, verzettelt sich Krages auch weiterhin in unternehmerisch uninteressanten Minderheitspäketen bei Dutzenden von Unternehmen der Montanwirtschaft und wundert sich dann, daß ihm nirgends ein Entree gelingt. Auf der aoHV der Gelsenkirchener Berg Werks AG, Essen, die über den. Antrag einer Aktiottärgruppe unter Führung der Süddeutschen Bank ( nämlich das AK von 388 um 97 auf 485 Mill. DM im. Verhältnis 4:l bei einem Ausgabekurs von 125 v. H zu erhöhen) beschlossen hatte, hätte Hermann D. Krages durch persönliches Auftreten die gegen ihn vorgebrachten Vorwürfe verteidigen und seine Meinung über die notwendigen Maßnahmen äußern müssen. Statt dessen, zogen drei Anwälte auf, nämlich der durch den unglückseligenluxemb arg En tw ur S in Sachen Khelnrohr Phoenix bekannte Professor Dr. Meilicke, ferner Dr. Hohlfeld und Staurf, Daß die Ausführungen von Rechtsanwalt Stauff immer dann im lauten Gelächter der Hauptvers am m1ünguntergingen, wenn er versuchte, Herrn Krages als Unschuldsengel zu malen, dem jede arglistige Täuschung fremd wäre, der nur das Beste wolle und den man nur falsch behandele, war für den munteren Anwalt zwar etwas peinlich, aber für seinen Mandanten bezeichnend.

Jedenfalls war das Ende vom Lied des erneuten Versuches der GBAG, ihren inneren Aufbau durch Irivestitionsprogramme, Rickverfleditungen und Kapitalkonsolidierung weiterzuführen: Protest ins Protokoll der HV. Sie hatte tnit 84 33 v. H. Ja Anteil die Kapitalerhöhung beschlossen. Von dem 293 349 Mill DM anwesenden, AK hatten nur 44 726 Mill. DM mit Nein gestimmt, davon 41 4 Mill. DM Aktien von Krages. Die übrigen opponierenden Aktionäre Wünschten einen Ausgabekurs von 100 v H. Sie haben sonst mit der Krages Sache nichts zu tun. Im Gegenteil, von ihrer Seite wurde mehrmals ausdrücklich betont , daß , die Methoden dieses Minderheitsaktionärs auf das heftigste verurteilt werden " Wir lehnen nicht Herrn Krages ab,weileraus Bremenkommt, sondern wir lehnen seine Methoden ab, die im Wirtschafts- und Geschäftsleben des Reviers fremd sind. Was er tut, ist unerhört So aus dem Munde eines Aktionärs. Der Vorsitzer des AR, Bergassessor a. D. Hans Günther Sob 1,erklärte:" Wir hätten eine Freundschaft mit HerrnKrages begrüßt. Aber immer wieder sind wir enttäuscht worden. Jetzt müssen wir darüber wachen, daß nicht ein größerer Aktionär seine Stellung zum Nachteil aller anderen Aktionäre ausnutzen will. Wir führen keinen Kampf gegen Krages; wir führen nur eine Abwehr gegen geschäftsschädigende Absichten eines einzigen Minderheitsaktionärs " In der HV wurde gemäß Tagesordnung eingehend über, alle Vorgänge um das Erin Geschäft mit Krages, um die Verkaufsofferte der 90 Mill BM GBAG Aktien durch Krages an die Verwaltung und die " sonstigen Absprachen berichtet, wobei jedem Aktionär die Gelegenheit gegeben wurde, in die Originale der Verträge und Briefe Einsicht zu nehmen. Unseren Lesern sind die Einzelheiten aus den mehrfachen Veröffentlichungen, zuletzt in der Ausgabe Nr.2 vom 12. Januar,bekannt. Die Anwälte von Krages verlasen eine Erklärung ihres Mandanten, in der er sich verteidigte.

Rechtsanwalt Stauff deutete an, daß die Gesellschaft mit einer Anfechtungsklagegegendie H V Beschlü~sse rechnen müsse und daß daher Protest zu Protokoll gegeben werde. Eine solche Anfechtungsklage könne die Rechtsgültigkeitdieser Kapitalerhöhungaufheben Dabei bezog sich der Anwalt von Krages auf die Zusage der Verwaltung, von sich aus keine Kapitalerhöhung bis September 1956 zu beantragen. Diese Zusage war seinerzeit in einem Stadium gegeben worden, in dem die GBAG Verwaltuig noch ernstlich hoffte, daß sich Krages auf GBAG konzeitrieren, in den AR eintreten und ein freundschaftliches Verhältnis sicherstellen würde. Nach Auffassung der Verwaltung ist diese Zusage mit dem Verkaufsangebot des GBAG Paketes in das Ausland hinfällig geworden. Im übrigen wäre der Antrag zur Kapitalerhöhung nicht von der Verwaltung gekommen, sondern von anderen Aktisnären, so daß er auf Grund der aktienretJitlichen Vorschriften der in diesen Dingen souveränen HV zur Beschlußfassung vorgelegt werden müßte.

Inzwischen ist die Eintragung ins Handelsregister Essm sehr schnell erfolgt. Die Aufforderung zur Zeichnung dar Aktien ab 8. Februar bis 22. Februar ist ebenfalls heraus. Die Kapitalerhöhung ist also rechtswirksam geworden. Ob sie noch durch eine einstweilige Verfügung von Krages bis zum 8. Februar gestoppt werden wird, ist bis zur Drucklegung dieser Zeilen nicht festzustellen. Darn bleibt Herrn Krages nur noch die Möglichkeit einet Schadenersatzklage gegen die Gesellschaft wegen Nichterfüllung einer Absprache (nämlich bis September 19i6 keine AK Erhöhung vorzuschlagen), wobei offen ist, cb dies rechtlich, vertreten werden kann. Es wäre auch :u prüfen, worin der Schaden liegt und:wie groß ej wäre. Jedenfalls hat die Eintragung ins Handelsregister das Ergebnis, daß die 84 33 v. H. Ja Stimmen zur AK Erhöhung nicht geprellt wurden und sich die Schadensserie des Aktienhändlers und Berufsspekulanten Hermann D. Krages nidit unmittelbar über weitere mehr als 100 000 Aktionäre ausbreitet. Dennoch bedarf dieser Fall einer grundsätzlichen Betrachtung.

Wenn die Freiheiten des Aktiengesetzes in dieser Form immer wieder bis zum Exzeß mißbraucht werden, die großen Grundstoffunternehmen der deutschen Wirtschaft in der dringend notwendigen Konsolidierung nach allen Jahren der Zerstörungen, Demontagen, Produktionsauflagen, Investitionskontrollen und — wie noch bei der Kohle — widernatürlichen Preisbindung mutwillig und nur aus Eigennutz gehemmt werden, dann ist es ernsthaft zuüberlegen,obnichtdurchdiedafürzuständigen Organedem Aktiengesetzein" Notzucht Paragraph" angehängt werden muß, der diese nicht mehr handelsüblichen Berufsspekulationen entsprechend ahndet. Zu der HV der GBAG waren als Gäste die Vorstände fast aller Montankonzerne der Ruhr erschienen. Die Meinung war einhellig: Krages witd prozessieren, verzögern und wahrscheinlich neue kräftige Paketaufschläge zur Abstellung dieses ühelstandes fordern. W O. Reichelt