M. M., Leck

Die Bücherfreunde von Leck an der deutschdänischen Grenze holen sich ihre Lektüre im – Gefängnis. In Leck ist nicht das goldene Zeitalter der Tugend ausgebrochen. Die Welt ist hier genauso gut oder so schlecht wie anderswo; aber der örtliche Gefängnisbetrieb war einfach zu teuer geworden. Der Aufwand entsprach keineswegs der Lecker Kriminalität. Selbst in der hohen Zeit der Schwarzschlächter waren die sechs Zellen des Lecker Amtsgerichtsgefängnisses nicht besetzt. Flensburg ist nur 33 km entfernt und hat ein Gefängnis, mit dem das entsprechende Institut in Leck selbst in seinen besten Zeiten nicht konkurrieren konnte. Also, warum sollte die „Grüne Minna“ die in Leck und Umgebung Inhaftierten nicht nach Flensburg holen? In dem kleinen, von einer hohen Mauer umgebenen Hof des Lecker Gefängnisses wucherte dann das Unkraut, bis man sich vor einiger Zeit des Gebäudes erinnerte, um hier die schon lange erwünschte öffentliche Bücherei einzurichten. 3500DM wurden ausgesetzt, um der Atmosphäre das „Vergitterte“ zu nehmen. Aus vier Zellen wurde ein schöner großerBüchereiraum geschaffen, in dem sich die Bücherfreunde von Leck nun schon wie zu Hause fühlen.

Übrigens, die letzten beiden Zellen sind unangetastet. Sie sollen den schweren Jungen sozusagen als Stundenhotel dienen, bis die „Grüne Minna“ sie nach Flensburg fährt. Die Kriminellen verbringen also ihre letzten Stunden in Leck in freundlicher Nachbarschaft der Kultur – ein versöhnlicher Gedanke.