Die ersten Modeschauen der Pariser Haute Couture brachten keine revolutionären Umwälzungen des Modebildes für Frühling und Sommer – und viele Frauen in der ganzen Welt atmen auf, weil sie nicht mit einem Schlag „von gestern“ sind. Das Bild ist sehr abwechslungsreich, und es gibt kein Diktat, wie man sich „korrekt“ anzuziehen hat. Entscheidend ist der gute Geschmack. Die engen Etui-Kleider der Wintersaison wurden neu abgewandelt, und die Prinzeß-Silhouette mit durchlaufender oder hoch heraufgezogener Empire-Taille mit Riegeln und Drapierungen über der Büste taucht in neuen Variationen auf. Man trägt aber auch gegürtelte Kleider. Die Röcke sind kurz, 38 bis 40 Zentimeter vom Boden (Dior, Patou) oder reichen bis zur halben Wade. Dior, immer nach der Schrittmacher der Weltmode, nannte sein Leitbild ligne fliehe,

Pfeillinie. Mit ungepolsterten und weichen Schultern, die er durch einen besonderen Raglanschnitt der Ärmel erreicht, und mit zurückhaltender Betonung der Büste seiner an der Gestalt herabgleitenden, die Formen nicht besonders herausarbeitenden Modellen hat er ein Bild der Frau entworfen, das naiv, grazil und in seiner verschämten

Reserve sehr rührend und anziehend wirkt. Bilder der Modelle sind, bis auf die Hutkollektionen, noch bis zum Ende des Monats für die Veröffentlichung gesperrt. Unsere Aufnahme zeigt einen der großen phantasievollen Stoffhüte aus weißem Organdy (Modell Chabaud), die mit Vorliebe zu der schlanken Gradheit der Etui-Kleider getragen werden.