Wir können nichts dafür, daß die Heringe die Viermeilengrenze nicht respektieren“, erklärten die Norweger. „Sabotage“, dachten die sowjetischen Fischer und folgten den Heringen nach. Sie hatten die weite Reise von Murmansk nicht unternommen, um sich von einigen irregeleiteten Heringsschwärmen zum besten halten zu lassen.

Fast drei Millionen Doppelzentner – 800 000 Doppelzentner mehr als im vorigen Jahr – beträgt das sowjetische Herings-Plansoll für 1956. Der Plan muß erfüllt werden, und wenn die Heringe nicht zu der internationalen Grenze kommen, dann muß eben die internationale Grenze zu den Heringen kommen. So verlegten 80 sowjetische Fangschiffe die Viermeilengrenze um zwei bis drei Meilen näher an die norwegische Küste und fischten weiter. Die Norweger jedoch – ohne jeden Sinn für ozeanographische Dialektik – schickten Kanonenboote aus und machten Jagd auf die Fangschiffe. 900 Sowjetfischer mußten im Hafen von Alesund tatenlos mit ansehen, wie ihre norwegischen Kollegen täglich mit guten Fängen anlegten. Tonne auf Tonne ging ihrem Plansoll verloren.

Moskau war das Ganze sehr peinlich. Nicht allein wegen des Plansolls – schließlich ist das Jahr ja noch lang und das Meer groß –; sondern weil sein Fischereiminister gerade Norwegen besuchen sollte. Es biß also in den sauren Apfel, entschuldigte sich und zahlte...