Dem Wochenbericht über die Weltrohstoftm&rkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nadifolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeiitscfcland, entnommen.

Das Zusammenwirken von saisonalen Faktoren und einer teilweise pessimistischen Beurteilung der Zukunft haben in den USA und Großbritannien über eine bisher allerdings nur leichte Produktionseinschränkung zu einer Nachfragezurückhaltung geführt, so daß sich bei mehr oder weniger unverändertem Angebot die rückläufige Preistendenz bei den besonders konjunkturempfindlichen Industrierohstoffen fortsetzte. Vor allem sind hiervon die NE-Metalle und Kautschuk betroffen, bei denen es im Hinblick auf einen evtl. niedrigeren Bedarf zum Ultimo zu Positionslösungen kam.

Einen Überblick über die Preisentwicklung in der Woche vom 30. 1. bis 3. 2. vermittelt nachstehende Tabelle.

Getreide: Auf den nordamerikanischen Getreidemärkten setzte sich während der Berichtswoche überwiegend eine Preisanstiegstendenz durch. Wenngleich der Handel in den USA weitgehend weitere Entscheidungen über die US-Agrargesetzgebung abwartete, war doch eine Besserung der Nachfrage, vor allem bei Weizen zu verzeichnen, da lebhafte Exportgeschäfte abgeschlossen wurden und noch weitere bevorstehen und die Rückkehr zur starren Preisstützung zu 90 v. H. der Parität als wahrscheinlich angesehen wird. Die leichte Festigungstendenz der Futtergetreide wurde im wesentlichen durch Meldungen über kalte Witterung in den Viehzuchtgebieten ausgelöst, da aus diesem Grunde die Verfütterung dieser Getreidearten verstärkt werden dürfte. Ferner trug hierzu die Mitteilung bei, daß das US-Landwirtschaftsministerium ab 1. 2. 1956 Futtergetreide aus Uberschußbeständen nicht mehr verbilligt verkaufen wird. – Die Maisanbaufläche in den USA wurde für 1956 vom Landwirtschaftsministerium für 41,28 Mill. acres genehmigt. Damit ist sie etwa 13 v. H. niedriger als die Anbauflächen-Zuteilung 1955. Die tatsächliche Anbaufläche betrug allerdings im vergangenen Jahr rund 57 Mill. acres, da zahlreiche Farmer die Anbauflächenzuteilung nicht einhielten, obwohl sie damit nicht in den Genuß der Preisstützung kamen.

Die und Fette: Auf diesen Märkten setzte sich überwiegend eine freundlichere Tendenz durch, nur Schmalz machte eine Ausnahme: die Notierungen gaben leicht nach. Unter dem Einfluß des festeren Trends für Speiseöle in den USA, nach denen weiterhin eine lebhafte Nachfrage vorliegt, erhöhten sich auch die dortigen Sojabohnennotierungen. Die US-Vorräte betrugen am 1. Januar rund 273,9 Mill. bu, gegenüber rund 260,1 Mill. bu im Vorjahr. Auch die Leinsaatbestände sind mit 34,9 Mill. bu höher als am 1.1.1955 (31,3 Mill. bu).

Zucker: Die Bewertung für verfügbaren Rohzucker aus der Weltmarktquote wurde am letzten Tag der Berichtswoche auf 3,27 cts herabgesetzt. – Auf der Londoner Tagung des Internationalen Zuckerrats wurde keine weitere Herabsetzung der Exportquoten vorgenommen, da die Aussichten des Internationalen Zuckermarktes relativ günstig beurteilt werden. Der Bedarf des freien Weltmarktes im laufenden Jahr wurde von dem Rat um 50 000 t auf 4,57 Mill. t nach oben revidiert.

Kaffee: Bei Kaffee setzte sich sowohl am New Yorker Termin- wie auch am Effektivmarkt eine Preisfestigung durch. Die Röstereien zeigten ein lebhaftes Kaufinteresse. Sie haben außerdem in den USA ihren Großhandelspreis um 2 cts erhöht. Tendenzstützend wirkte aber vor allem die Annahme, daß die brasilianische Devisenreform nicht vor Ende dieses bzw. Anfang nächsten Monats durchgeführt werden dürfte. Es wurde sogar damit gerechnet, daß eine weitere Verzögerung bzw. eine Abschwächung der Auswirkungen einer brasilianischen Devisenreform durch die verstärkte Wirtschaftshilfe der USA für Brasilien möglich sei.