Innerhalb der westdeutschen Automobilindustrie haben auch im vergangenen Jahr die vielfältigen und angestrengten Bemühungen zur Ausweitung des Exports treffliche Erfolge gehabt. Entsprach aber die erreichte Ausfuhrsteigerung dem wahren Bild der tatsächlich vorhandenen Exportchancen? Dies muß stark bezweifelt werden, wenn man die vorjährige Absatzentwicklung der Kölner Ford-Werke AG betrachtet.

Das Unternehmen hatte 1953 mit 18 000 Einheiten (Taunus-Pkw und Nutzfahrzeuge) 41 v. H. der Gesamtproduktion ausgeführt. 1954 war de Exportzahl dann auf rund 31 000 Fahrzeuge (52 v.H. der gesamten Erzeugung) emporgeschnellt, um im vergangenen Jahr mit 35 000 Einheiten oder 47 v. H. der Gesamtproduktion den bisher größten Exporterfolg zu erreichen. Während also die Auffuhrzahlen von 1953 auf 1954 eine Steigerung um 75 v.H. erfuhren, nahmen sie von 1954 auf 1955 nur noch um 12 v. H. zu. Aber der gesamte Fahrzeugausstoß steigerte sich im gleichen Zeitraum von rund 58 500 in 1954 auf 80 000 Einheiten im Vorjahr, und der Inlandabsatz zog von 27 500 auf 45 000 Einheiten an. Da die Ford-Werke AG trotz äußerster Ausnutzung der Produktionskapazität – sie wird aus der Steigerung um 27 v. H. recht deutlich – während des vergangenen Jahres ihre Inlandkunden mit erheblichen Lieferfristen bedenken mußten, ergibt sich zwangsläufig, daß die Ausfuhr vom deutschen Markt her abgebremst wurde.

Generaldir. Erhard Vitger vertritt jedoch die durchaus vernünftige Ansicht, eine weitere Verlängerung der Lieferfristen von durchschnittlich zwei auf drei oder vier Monate vor seinen Inlandkünden nicht verantworten zu können. Aus. der ausländischen Nachfrage und auch aus dem Auftragsbestand aber wurde deutlich, daß die Exportchancen der Ford-Werke AG in 1955 weit größer waren als das schließlich erreichte Ausfuhrergebnis Die vom Inlandsmarkt her beeinflußte „Export-Zuteilung“ wurde im gleichen Zeitraum wirksam, als der neue „Taunus 75 M“ besondere Exporterfolge versprach. In Köln-Niehl hatte man noch vor einem Jahr geglaubt, daß auf 100 ausgeführte Pkw etwa 60 vom Typ „Taunus 12 M“ und 40 vom „15 M“ entfallen würden. Man meinte, dem neuen Wagen im Ausland eine längere Einführungsfrist zubilligen zu müssen. Genau umgekehrt entwickelten sich dann aber die Bestellungen, obwohl der „15 M“ in seiner Klasse auf eine erhebliche internationale Konkurrenz stößt.

Der glänzende Markterfolg des Anfang vergangenen Jahres herausgebrachten neuen Typs „Taunus 15 M“ läßt den Wunsch nach einem Werkausbau nicht nur sinnvoll, sondern auch dringend notwendig erscheinen. Zunächst behilft man sich mit vielen Überstunden und auch mit Feiertagsarbeit: im Durchschnitt werden 51 Arbeitsstunden je Woche geleistet. Nach dem Ausbau der Fabrikationsanlagen soll ein Tagesausstoß von 450 Wagen bei zwei Schichten und fünf Arbeitstagen erreicht werden; heute sind es etwa 330 Einheiten. Bis Ende nächsten Jahres sollen die Ford-Ausbaupläne realisiert sein. Dann wird die Belegschaftsstärke von jetzt 9500 auf 12 500 anwachsen. Die Finanzierung der Fabrikationsausweitung dürfte über die seit dem Frühjahr 1954 zweimal um je 20 Mill. DM auf 72 Mill. DM vorgenommene Erhöhung des Grundkapitals in Verbindung mit der (infolge Produktionsverbesserung) günstigeren Ertragslage annähernd gesichert sein, zumal sich das Werk bislang mit einer recht bescheidenen Dividendenausschüttung (5 v. H.) begnügte

Im In- und Ausland ist der ungewöhnliche und in jeder Beziehung berechtigte Publikumserfolg des „Taunus 15 M“, von dem bereits am 15. Dezember der 50 000. Wagen vom Fließband lief, in erster Linie auf die elegante Form, die hervorragende Qualität, die treffliche Ausstattung und den technischen Komfort zurückzuführen, die sonst nur in weit größeren Wagen anzutreffen sind. Es handelt sich hier in der Tat um einen kultivierten Mittelklassewagen der deutschen Produktion, der nicht nur in der Bundesrepublik, sondern besonders auch in Belgien, den Niederlanden, Skandinavien, Österreich, der Schweiz und in Übersee im Straßenbild immer stärker in Erscheinung tritt.

Der große Vorteil des „Taunus 15 M“ ist – neben seinen vielen übrigen Vorzügen – der neue 1,5-1-Kurzhub-Motor mit der Spitzenleistung von 55 PS und einer Autobahndauergeschwindigkeit 125 km/h (Höchstgeschwindigkeit 129 km/h). Bewußt wurde diesem Motor ein kraftvolles Drehmoment gegeben, verleiht es ihm doch eine überraschende Elastizität und dem Wagen ein begrüßenswertes Beschleunigungsvermögen aus allen Geschwindigkeitsbereichen. Unter dem Motto „Mehr Fahrkomfort, weniger Wartung“ hat aber das Fahrwerk ebenfalls eine Reihe bemerkenswerter Neuerungen aufzuweisen, die letzten Endes zu noch höherer Sicherheit führten. Als besonders angenehm wird vom Fahrer die konzentrierte und doch großzügige Anordnung der Armaturen empfunden, desgleichen die im Lenkradkopf montierte Lichthupe, die sich zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bestens bewährt. Mit anerkennenswerter Liebe zum Detail sind viele recht praktische Kleinigkeiten eingebaut worden, so u. a. Chromleisten, die sich über die heruntergedrehten Seitenscheiben legen. Sinnvoll ist auch die Anbringung des Tankeinfüllstutzens in Heckmitte hinter dem umklappbaren Nummernschild, weil es nun für den Fahrer gleichgültig ist, ob die Tanksäule rechts oder links steht. Aber müßte die an sich stabile Stoßstange nicht doch neben dem Nummernschild Sicherheitsstreben bekommen, um die oftmals unvermeidlichen Parkschäden vom Einfüllstutzen fernzuhalten? Und da wir nun schon einmal beim Kritisieren sind, so glauben wir den Wunsch anmelden zu dürfen, den Tank etwas zu vergrößern und einen Reservehahn einzubauen. Der 34-1-Inhalt reicht jetzt leider nur für rund 350 km.

Trotz dieser Kleinigkeiten: der „Taunus 15 M“ ist ein temperamentvoller, strapazierfähiger, verläßlicher und wirtschaftlicher Mittelklassenwagen und eine Meisterleistung aus dem Kölner Ford-Stall, die dank der Ausstattung mit schlauchlosen Reifen jetzt noch attraktiver wurde ... Willi Wenzke