Kalter Winterwind und knirschender Frost können niemand, der Phantasie hat, daran hindern, sich sanfte Bilder von gelben Mimosenwäldern und prunkend-blauen Veilchenfeldern vorzustellen, die jetzt in lieblichen Gefilden an der französischen und italienischen Riviera blühen. Oder man kann davon träumen, sich Apfelsinen selbst zu pflücken, die jetzt überall in den westlichen Mittelmeerländern geerntet werden, während die Bäume zugleich mit dem Blühen anfangen. Zwar ist die Luftomnibusfahrt nach Antibes oder Santa Margeritha immer noch, außer für Snobs, mehr als ein Ausflug. Denn die schnelle Art des weltweiten Reisens, die uns zum Wochenende bis Rom trägt, um eine unbezähmbare Sehnsucht zu erfüllen, ist eben erst im Beginnen. Aber die Gesellschaftsreisen mit dem Flugzeug nach Mallorca, nach Teneriffa und Palermo sind sehr gesucht, und wer schnell der Kälte entkommen will, wer nur richtig entschlossen ist und überzeugt, der Wind pfeife bei uns im Norden unerträglich kalt, der geht ins nächste Reisebüro und bucht einen Flug in den Süden. Er kommt aber auch mit der Eisenbahn richtig an.

Poetische Naturen sollten vorher oder unterwegs den reizenden „Reiseführer durch das Pflanzenreich der Mittelmeerländer“ (Kurt Schroeder Verlag, Bonn, 160 S., 10,– DM) vornehmen, sie werden auf besondere Weise vorbereitet werden, die Landschaft, die sie nun besuchen werden, zu erkunden. Die Mimosen zum Beispiel sind gar keine Mimosen, sondern Akazien, so können sie erfahren. Und die Akazien sind falsche Akazien oder Robinien. Die köstlich gelb leuchtenden und weithin duftenden Wälder der Mimosen (Acacia dealbata), die an den Küsten des Mittelmeeres nur etwa zwölf Meter hoch werden, erreichen in ihrer Heimat Australien Höhen bis zu 30 Metern. Aber auch die meisten anderen immergrünen Gewächse der Mittelmeerländer kommen von weither. Die Apfelsine zum Beispiel, so erklärt das Buch, ist erst im 14. Jahrhundert unter dem damals gebräuchlichen Namen eines Apfels aus Sina = China nach Südeuropa gekommen. Auch der Eukalyptusbaum stammt aus Australien. Die Einführung in den Mittelmeerraum geschah einst, weil man glaubte, der den Blättern und dem Holz entströmende starke Geruch könne das Wechselfieber oder die Malaria vertreiben. Wenn sich dies auch als Irrtum erwies, so hat der Baum doch in gewisser Weise geholfen, die Seuche zu bekämpfen. Infolge seines schnellen Wachstums entzog er in Sumpfgegenden dem Boden viel Wasser und damit den Fiebermücken die Lebensbedingungen. Das gründliche kleine Buch enthält neben exakten Angaben über die Vegetation und ihre klimatischen Grundlagen viele Bilder und Zeichnungen und ein Register der deutschen und lateinischen Namen. Im gleichen Verlag ist übrigens der Reiseführer „Süditalien von Neapel bis Syrakus“ erschienen (401 S., 17,– DM.), der auch über Landstriche, wie Apulien und Kalabrien, die für den Fremdenverkehr noch nicht erschlossen und darum noch zu „entdecken“ sind, beratend Auskunft geben.

Praktische Ratschläge mit sehr nützlichen Empfehlungen von Hotels und besonders lockenden Plätzen abseits der großen Reiserouten gibt auch der hübsch illustrierte Band „Alle Wege führen nach Capri“ von Margje und Jan Gerhard Toonder (Gebrüder Weiß Verlag, Berlin-München, 5,80 DM). Doch braucht man bei dem Titel nicht zu fürchten, daß die Insel, wo die Natur den Gipfel ihrer Schönheit und der Mensch in heutigen Tagen den Gipfel seiner Narrheit erreichte, das Hauptthema bildet. Allerdings ist das Buch in seiner allzu persönlichen Beschreibung oft ganz privater Erlebnisse und Eitelkeiten leider manchmal etwas abwegig. Auch diese „vergnügliche Anleitung zum Reisen“ preist überzeugend die Winterferien im Süden, wo uns mittags in der Sonne 20 Grad Wärme erwarten, wenn das Thermometer bei uns viele Grade unter Null anzeigt „Gehen Sie im Winter nach dem Süden(wenn Sie können), und wenn Sie kein Verlangen nach der kalten Reise oder keine Zeit haben: Fliegen Sie!“ EM