Der kommenden oHV werden abgeänderte Bilanzen von 1948 bis 1953 vorgelegt, da das inzwischen rechtskräftig gewordene Dritte DM – Bilanzergänzungsgesetz Höherbewertungen insbesondere bei dem Hauptbeteiligungsposten (Stahlverein) ermöglicht. Rheinstahl kann Jetzt nämlich seinen alten Stahlvereinsbesitz von 72 Mill. statt mit 152 v. H. (109 Mill.) mit 196 v. H. (141 Mill. DM). aktivieren. Hieraus ergibt sich eine Erhöhung des Wertansatzes für den Stahlvereinsbesitz um 31,14 Mill. DM. Infolge geringfügiger Auswirkungen des gleichen Gesetzes auf andere Effekten stellt sich per Saldo die Veränderung aller Wertansätze auf rund 30,9 Mill. DM. Bei der GBAG-Beteiligung wirkte sich die Höchstbewertung in einer Aktivierung zu 41,48 Mill. DM aus, während sich andererseits die Ausschüttungsverpflichtung von 64,65 auf 61,48 Mill., also um 23,2 Mill. ermäßigte. Daraus ergibt sich eine Erhöhung des Bilänz-Reinvermögens um 54,1 (30,9 + 2) Mill. DM. Nicht die Krages-Klage, sondern das Dritte DM-BEG hat somit eine Verbesserung des Umstellungsschlüssels ermöglicht. (Das Hammer Urteil hatte kein höheres Umstellungsverhältnis vorgeschlagen.) Außerdem kommt hinzu, daß die Ertragslage von Rheinstahl in den letzten anderthalb Jahren eine weitere Besserung erfahren hat, so daß auch eine gewissenhafte Prüfung der wirtschaftlichen Gesamtverhältnisse der Gruppe materiell den neuen Vorschlag unterbaut.

Jedenfalls wird die für 1953 vorgesehene Dividende von 6. v. H. auch für das erhöhte AK vorgeschlagen Ferner werden der im Juli stattfindenden oHV für die Geschäftsjahre 1954 und 1955 wiederum mindestens 6 v. H. Dividende in Vorschlag gebracht werden, teilte der Vorsitzer des Vorstandes auf einer Pressekonferenz mit. Die Rheinstahl-Aktionäre können also in diesem Kalenderjahr

drei Dividenden von zusammen 18 v. H. und eine Aufbesserung ihres Umstellungsverhältnisses von 20 v. H. verbuchen. Der Bilanz-Wertzuwachs (54,1 Mill.) wird mit 34,32 Mill. DM zur Erhöhung des Nominalkapitals und mit 19,78 Mill. zur Stärkung der gesetzlichen Rücklage verwandt.

Dieses für den Aktionär erfreuliche Ergebnis bedeutet aber andererseits die Auskehrung einer Substanz von rund 32 Mill., ein Betrag, mit dem ein im Aufbau befindlicher Konzern einen Teil seiner Beteiligungsverhältnisse wirtschaftlich nützlicher hätte ergänzen oder abrunden können. Die nunmehr erfolgte Kapitalanhebung hat praktisch nicht nur kein neues Geld ins Unternehmen gebracht, sondern noch Geld gekostet Das ist die Kehrseite dieser Medaille.

Wenn wir zu Anfang sagten, daß Rheinstahl nun in die vierte Phase seiner Nachkriegsentwicklung eintreten könne, so ergeben sich die unternehmerischen Aufgaben angesichts der produktionellen Vielseitigkeit der Gruppe von allein. Die eine Nachkriegsphase von Rheinstahl, das – einst im Mai des Jahres 1870 ins Leben gerufen – 1926 durch Mitgründung der Vereinigte Stahlwerke seine eisenschaffenden Werke abgetreten hatte (daher die VSt-Aktien im Portefeuille), bestand in der Auflösung des Verhältnisses zur IG Farbenindustrie AG i. L., eine weitere in der Rückgliederung von Werken der eisenschaffenden und -verarbeitenden Industrie im Zuge der Entflechtung des Stahlvereins. Ferner wurde am 1. Januar 1952 mit der rechtlichen Verselbständigung des Bergbau Vermögens (Arenberg Bergbau-GmbH) ein neuer wichtiger Abschnitt begonnen. –

In der jetzigen Holding ist mit Arenberg die Kohle, mit Ruhrstahl, Rhein-West-Eisen und einer 30-v.-H.-Beteiligung an Gufisiahl Witten die eisenschaffende Seite, mit der Rheinstahl-Union Maschinen- und Stahlbau AG als Holding von neun Tochterunternehmen die Stahlverarbeitung und mit mehr als 30-v.-H.-Beteiligung an der Dynamit-AG vorm. Alfred Nobel & Co. die Chemie vertreten. Außerdem gehört das Handelsunternehmen Joseph Schürmann GmbH voll und die Handelsunion AG mit etwas über 25-v.-H.-Beteiligung durch Schachtelprivileg mit zum Rheinstahl-Interessenbereich. Die Pläne der Verwaltung sind darauf gerichtet, einen technischen und wirtschaftlichen Verbund zwischen diesen einzelnen Gruppen herzustellen bzw. diesen zu vertiefen und den Gesamtbereich harmonisch aufeinander abzustimmen. Hierbei wird das Unternehmen durch Dr. Walter Rohland, den letzten Vorsitzer des Vorstandes der Vereinigte Stahlwerke AG, auf der technischen Seite beraten.

Dem Beginn einer neuen unternehmerischen Arbeit Ist ein „menschlicher Verbund“ vorausgegangen. Rheinstahl hat, zum 1. Oktober 1955 seinen bis dahin dreiköpfigen Vorstand erweitert. Der Vorstands-Vorsitzer der Ruhrstahl, Kurt Schmitz, der Vorstands-Vorsitzer von Rhein-West-Eisen, Dipl.-Kfm. Alexander Wiedenhoff, das Rheinstahl-Union-Vorstandsmitglied Dr. Arthur Mauterer kamen aus dem Bereich der Töchter neu in den Vorstand. Dr. Willy Eggemann, bis dahin Leiter der Finanzabteilung, wurde zum ordentlichen Vorstandsmitglied und der Justitiar des Unternehmens, das stellvertretende Vorstandsmitglied RA Ekmar Schoeneberg, zum ordentlichen Vorstandsmitglied bestellt, dessen Vorsitz Werner Söhngen hat und zu dem von Anfang an Dr. Wolfgang Linz, der dieser Tage seinen 60. Geburtstag feierte, gehörte. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß der bisherige AR-Vorsitzende, Geheimrat Dr. h. c. Hermann Schmitz, der im Januar 1956 das 75. Lebensjahr vollendet hatte, zum Ehrenvorsitzer ernannt wurde und künftig Dr. Ernst von Waldthausen Vorsitzer und die Bankdirektoren Carl Goetz (Dresdner Bank) und Fritz Gröning (Deutsche Bank) stellvertretende Vorsitzende sind. über die wirtschaftliche Lage des Konzerns äußerte sich Werner Söhngen recht optimistisch. Die Investitionen in den vier Hauptbeteiligungen lassen zusammen mit dem Wirtschaftsaufschwung auch weiterhin eine günstige Ertragsentwicklung erwarten. Die Investitionen betrugen 1952/53 134 Mill., 1953/54 148,6 Mill. und 1954/55 153,8 Mill. DM. Der Gesamt-Umsatz von Rheinstahl mit Fremden erreichte 1953 (bzw. 1954/55) 2,006 Mrd. DM gegen 1,6 Mrd. im Vorjahr. Er zeigt also eine Erhöhung um 23,6 v. H. bei einer Belegschaftszunahme von 71 500 auf 78 200 oder um 9,4 v. H.

Zum Schluß sei erwähnt, daß das sogenannte Stimmrechtsabkommen zwischen der Rheinstahl-Verwaltung und den Liquidatoren der IG Farbenindustrie AG, demzufolge sich die IG-Liquidatoren verpflichtet hatten, die Stimmen für die noch bei der IG liegenden Rheinstahl-Aktien nur nach Vorheriger Abstimmung mit Rheinstahl abzugeben, erloschen ist. Die Liquidatoren wurden von ihrer Verpflichtung entbunden. Wenn die oHV am 9. März glatt verläuft, werden auch endlich die IG-Aktionäre in den anteiligen Genuß des Rheinstahl-Paketes der IG gelangen und zu Rheinstahl-Aktionären werden. R l t.