Dem Wochenbericht über die Weltrohttoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschaland, entnommen.

Bei uneinheitlicher Preisentwicklung der von uns beobachteten Rohstoffe hielten sich die Preisfestigungen und -abschwächungen die Waage. Die Märkte standen unter den verschiedensten Einflüssen. In den USA rief das Tauziehen um die US-Agrargesetzgebung unterschiedliche Preistendenzen hervor. Bei Baumwolle trat eine Festigung ein, da sich die Ansicht verstärkte, daß die US-Regierung ihre Opposition gegen eine starre Preisstützung zu 90 v. H. der Parität werde aufgeben müssen. Die Getreidemärkte dagegen tendierten uneinheitlich. Bei den Nahrungs- und Genußmitteln setzte sich die Aufwärtsbewegung der Kaffeepreise fort, und auch Kakao konnte sich im Wochendurchschnitt gegenüber der Vorwoche erholen, wobei aber zweifelhaft ist, ob sich diese Tendenz fortsetzen wird. Die zum Teil noch immer pessimistische Beurteilung der konjunkturellen Entwicklung beeinflußte weiterhin Kautschuk sowie einige NE-Metalle. Kupfer und Zinn dagegen tendierten fester. Mit Ausnahme von Sisal zogen die Preise der Textilfasern an, wobei bei Jute der Preisanstieg besonders kräftig war.

Getreide: Auf den US-amerikanischen Getreidemärkten herrschte eine uneinheitliche Tendenz vor, da der Marktverlauf weitgehend durch unterschiedliche Meldungen über die künftige US-Agrarpolitik bestimmt wurde. Während die Grobgetreidepreise überwiegend leicht rückläufig waren, zogen die Weizennotierungen an. Allerdings war auch bei Weizen die Preisentwicklung während der Berichtswoche mehrfachen Schwankungen unterworfen. Tendenzstützend wirkten sich Exportabschlüsse aus. Auch die Meldung, daß der Landwirtschaftsausschuß des US-Senats der Preisstützung zu 90 v. H. der Parität für die sechs Grundernten sowie dem Gesetzentwurf über den Bodenbankplan zugestimmt hat, löste eine Preisanstiegsbewegung aus. Fraglich ist allerdings, ob diese starre Preisstützung tatsächlich durchgeführt werden kann, denn Meldungen zufolge lehnt Präsident Eisenhower diesen Vorschlag ab. Eine verstärkte Opposition aus. Regierungskreisen löste dann auch Verkäufe aus. Die Bekanntgabe des US-Landwirtschaftsministeriums über die Preisstützung von Mais für die Ernte 1956, die nur 140 c/bu oder 81 v. H. der Parität gegenüber 158 c/bu oder 87 v. H. der Parität 1955 entspricht, löste bei diesem Getreide Liquidationen aus. Für die übrigen Nebengetreide, Hafer, Gerste, Roggen und Sorghum, bleibt der Stützungspreis unverändert bei 70 v. H. der Parität.

Öle und Fette: In den USA trat bei einigen Ölen Anfang der Berichtswoche ein Preisanstieg infolge guter Auslandsnachfrage ein. Allerdings konnten sich nicht alle Notierungen auf dem Anfang der Woche erreichten Niveau halten. Unter dem Einfluß der anfänglich festen Tendenz der Die zogen auch die Sojabohnenpreise in Chikago an, unterlagen aber anschließend Schwankungen auf Grund der Opposition aus Regierungskreisen gegen den Plan einer starren Preisstützung. In London gab Kopra leicht nach. Die New Yorker Schmalzpreise festigten sich im Wochendurchschnitt unter dem Einfluß der guten Preise für Speiseöle und der niedrigen Schweineanlieferungen. Außerdem soll Jugoslawien über 10 000 t Schmalz im Rahmen seiner Ankaufsermächtigung über 40 000 t erworben haben.

Zucker: Unter dem Einfluß der geringen Nachfrage ging der Zuckerpreis von 3,27 c/lb zuerst auf 3,26 und schließlich auf 3,25 c/lb zurück und entspricht damit wieder dem Mindestpreis des Internationalen Zuckerabkommens.

Fester tendierte in New York nur der US-Inlandkontrakt, da der US-Senat das US-Zuckergesetz auf sechs Jahre bis 1962 verlängert und gleichzeitig den amerikanischen Produzenten einen größeren Anteil an der künftigen Erhöhung der US-Zuckerquoten eingeräumt hat. Von der über die Gesamtquote von 8,35 Mill. sht hinausgehenden Menge werden die ausländischen Produzenten 45 v. H. und die US-Produzenten 55 v. H. liefern.

Kaffee: Die New Yorker Notierungen setzten während der Berichtswoche ihre Preisanstiegsbewegung fort. Marktbestimmend waren das z. T. lebhafte Kaufinteresse der Röstereien sowie die Erwartungen, daß von dem Regierungswechsel in Brasilien ein stabilisierender Einfluß auf die dortige Wirtschaft ausgehen wird. Die Preisgewinne konnten jedoch nicht in vollem Umfange gehalten werden. Vielmehr waren am letzten Tag der Berichtswoche Preisrückgänge zu verzeichnen, die in den späten Sichten am stärksten waren. Tendenzstützend wirkte in der letzten; Zeit die Knappheit an guten Kaffees.