Die Stader Lederfabrik AG, Hamburg, kündigt an, daß auch für das Geschäftsjahr 1955 die Dividende wieder ausfallen muß. Der Absatz ihrer Erzeugnisse habe sich zwar verbessert, doch lasse der erwirtschaftete Ertrag keine Ausschüttung an die Aktionäre zu. Bis einschließlich 1953 hatte die Gesellschaft regelmäßig 4 v. H. gezahlt. Die Lederwerke Wieman AG, Hamburg, ein in der gleichen Branche tätiges Unternehmen, verteilte von 1948/49 bis einschl. 1951 je Geschäftsjahr 6 v. H.; für 1952 und 1953 wurden nur noch „ehrenhalber“ 3 v. H. gezahlt, für 1954 erhielt der Aktionär nichts. Die Entwicklung ist hier also entgegengesetzt verlaufen wie bei den meisten anderen Industriezweigen; das spiegelt sich auch in den Börsenkursen wider, die für beide Unternehmen unter der Pari-Grenze liegen.

Was ist nun in der Lederindustrie seit der Währungsreform geschehen? Zunächst ist wichtig zu wissen, daß von den für die Aktionäre so unangenehmen Schwierigkeiten im wesentlichen nur die Werke betroffen sind, die schweres Bodenleder be- und verarbeiten. Gerade auf diesem Gebiet hat sich ein fühlbarer Einbruch der Ersatzstoffe vollzogen, die eben nicht ein bloßer „Ersatz“ sind, sondern oftmals spezielle Vorteile haben. Hoffnungen, die einzelne Industrielle auf die Rüstung gesetzt haben, dürften sich nicht in dem vorgesehenen Umfang realisieren lassen. Denn Sattel und Pferdegeschirre werden ja nicht gebraucht, und bei der Ausstattung von Mann und Kraftfahrzeug wird man sicherlich weitgehend von Kunststoffen Gebrauch machen. Geblieben ist also eine Kapazität, die oftmals zu groß ist und die jetzt indirekt auf die Preise drückt, so daß die Ertragsbasis immer schmaler wurde. Übersehen werden darf dabei nicht, daß die hohen Häutepreise den Wettbewerb mit den Kunststoffen erheblich vorbelasten.

Unternehmen, die feinere Leder gerben und bearbeiten, sind von der Misere nicht in dem gleichen Umfang betroffen, denn insgesamt ist der Lederbedarf der westdeutschen Industrie gestiegen. Allein die Schuhindustrie verbrauchte in 1955 15 v. H. mehr Leder als im Vorjahr. Die Lederwarenindustrie verabeitete 10 v. H. mehr. Die Rohwarenversorgung (etwa 50 v. H. kommen aus dem Ausland) machte in der Menge keine besonderen Schwierigkeiten; Spannungen ergaben sich nur beim Bezug von Kalbfellen. Die gesamte Lederproduktion der Bundesrepublik wird für 1955 auf 886 Mill. DM veranschlagt. Hinzu kommt eine auf 100 Mill. erhöhte Ledereinfuhr. Die Lederausfuhr erreichte mit einem Wert von fast 91 Mill. DM ein um 8 v. H. höheres Ergebnis als in 1954. K. W.

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Farben helfen rationeller arbeiten. Welche Rolle Farben als Helfer rationeller Arbeitsgestaltung spielen können, haben Untersuchungen bei der Robert Bosch GmbH, Stuttgart, gezeigt. Es war oft beobachtet worden, daß Schlosser immer wieder verschiedene Schlüssel probierten, bis sie den richtigen gefunden hatten. Auch bei der Montage irrten sich meist die Arbeiter, weil die kleinen Schraubenzieher dasselbe gleichgeformte Heft aufwiesen. Jetzt hat die Betriebsleitung die Werkzeuge zur besseren Unterscheidung mit Farbe versehen lassen, so daß sie schnell zu erkennen sind und unnötiger Arbeitsaufwand erspart wird.