Griechenland wählt – Nato oder Neutralismus

Von E. Heymann

Am 19. Februar wird in Griechenland gewählt. Hier ein Panorama der politischen Situation, wie sie unser Korrespondent in Athen beobachtet hat.

Athen, im Februar

In Zeiten politischer Hochspannung haben es die Zeitungsverkäufer nicht nötig, ihre Blätter schreiend anzupreisen. Sie stapeln ihre Zeitungen auf dem Bürgersteig auf und strecken die Hand aus: Im Nu ist sie mit Drachmenmünzen gefüllt. Den Gegenwert von fünfzehn Pfennigen gibt jeder Bürger von Athen leicht aus, um über die letzten Phasen des Wahlkampfes unterrichtet zu werden. Die Zeitung gehört also zum täglichen Leben wie das Brot und der metrio glyky, der mittelsüße türkische Kaffee, und ein Schuhputzer schickte mich, etwas gekränkt, zu seinem Kollegen: „Mein Herr, sehen Sie nicht, daß ich Zeitung lese?“

Gekrönte Demokratie

„Griechische Innenpolitik“ – so sagte mir ein Witzbold – „ist wie Quecksilber: glänzend, in ihrer Beweglichkeit faszinierend für den Betrachter, aber giftig für den, der sie anfaßt.“ Tatsächlich hat in den letzten 50 Jahren nur ein einziges Parlament die Legislaturperiode regulär beenden können; alle anderen, auch das verflossene, sind vorzeitig aufgelöst worden, oft genug durch das Eingreifen außerparlamentarischer Faktoren.