Auf der bevorstehenden Kölner Möbelmesse (17. bis 20. Februar), an der sich etwa 600 westdeutsche Möbelaussteller beteiligen werden, wird nicht mehr die Stilkritik im Vordergrund stehen. Die geschmacklich-stilistisch ausgeprägte „Main-Linie“, die vor zwei Jahren noch sichtbar war, hat sich nicht nur verwischt, sondern ist auch gegenüber der „Preislinie“ etwas in den Hintergrund geraten. Während der Kölner Möbelmesse wird sich das Interesse des Handels auf die Preise konzentrieren Nach allem, was in den letzten Wochen innerhalb der Möbelwirtschaft beobachtet werden konnte, scheint die weitere Preisentwicklung nicht frei von Überraschungsmöglichkeiten zu sein. Vereinzelt wurde bereits berichtet, daß Möbelhersteller ihre neuen Preislisten bis zu 10 v. H. heraufgesetzt hätten.

Es wäre jedoch falsch, deswegen beunruhigt zu sein. Trotz eines relativ vollkommenen Wettbewerbs in der Möbelwirtschaft stiegen die Möbelpreise in den letzten fünf Jahren bereits langsam; sie liegen heute etwa 10 v. H. über denjenigen von 1950. Diese allmähliche Preissteigerung ist die Folge der staatlichen Holzpreispolitik. Der Forstfiskus kassiert heute doppelt so hohe Rundholzpreise wie 1950. Die Löhne in der holzverarbeitenden Industrie stiegen in der gleichen Zeit um 50 v. H. Auf dem Hintergrund dieser Kostensteigerungen wiegt das Heraufsetzen der Möbelpreise in fünf Jahren um nur 10 v.H. so gut wie überhaupt nicht. Die Möbelwirtschaft war vor allem infolge ihrer hohen Wettbewerbsintensität gezwungen, die Kostenerhöhungen durch verstärkte Rationalisierung und Technisierung wettzumachen. Das fiel ihr natürlich um so leichter, je größer von Jahr zu Jahr das Wohnungsbauvolumen wurde.

In die relative Preisstabilität der Möbelwirtschaft scheint nun aber größere Bewegung zu kommen. Industrie und Handel erklärten übereinstimmend, sie könnten angekündigte Lohnerhöhungen nicht mehr auffangen. Die Möbelpreise werden also steigen müssen, wobei die Hersteller übrigens meinen, auch geschmackliche Verbesserungen würden höhere Kosten bedingen.

Aber abgesehen von diesen akuten Sorgen, die sicherlich auch auf der Kölner Möbelmesse mit im Vordergrund der Gespräche stehen werden, zeichnen sich schwererwiegende Strukturprobleme ab: Was geschieht mit den in den letzten Jahren vielfach aufgestockten Betriebsgrößen, wenn eines Tages der Wohnungsbau gedrosselt werden müßte, der nicht-zivile Möbelbedarf jedoch nicht in gleichem Umfange forciert werden könnte oder sollte? Einsichtige Möbelindustrielle – wie etwa der FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Atzenroth (Koblenz) – machen sich schon heute Gedanken über das auf uns zukommende Problem einer Überkapazität in der deutschen Möbelwirtschaft. 1955 dürfte zwar der Umsatz der Möbelindustrie die Grenze von 2 Mrd. DM überschritten haben; aber die künftige Problematik wird dadurch nicht gemildert. Dü.