M. D. London, im Februar

Die britische Regierung ist ermächtigt worden, gegen die Aufrufe zu offener Empörung, die von Radio Athen nach Zypern ausgestrahlt werden, Störsender einzusetzen.

Im Sommer 1954 fing die BBC an, die Sendungen mitzuhören, die von Radio Athen nach Zypern ausgestrahlt werden. Auszüge aus diesen Sendungen wurden in Großbritannien veröffentlicht. Sie übertreffen an Gehässigkeit und Boshaftigkeit alles, was bisher auf dem Gebiet der Rundfunkpropaganda geleistet worden ist – und das ist wahrhaftig nicht wenig.

Die britische Regierung sieht sich dadurch in einer schwierigen Lage: einerseits ist es ihre Pflicht, für Ordnung auf Zypern zu sorgen und das Leben der englischen Familien und Soldaten dort zu schützen; andererseits sprechen gewichtige Argumente deutlich gegen den Einsatz von Störsendern. Die Times meint, daß es bisher immer die Stärke Englands gewesen sei, die Freiheit seiner. Bürger, zu lesen und zu hören, was sie wollen, in keiner Weise zu beschränken. Sollte Radio Athen es fertigbringen, die britische Regierung zu einer Maßnahme zu bewegen, auf die sie Hitler, Mussolini und Stalin gegenüber verzichtet hat? Es wäre nach Ansicht der Times auch sinnlos, darauf hinweisen zu wollen, Zypern sei ein „Sonderfall“. Wenn man vom Prinzip erst einmal abgegangen sei, dann mache man es den Russen leicht, jede Sendung, die sie stören, als „Sonderfall“ zu deklarieren.

Und dieser Gedanke steht wohl auch bei den Erwägungen, die die britische Regierung jetzt anstellt, anderster Stelle: daß eine wie stark auch immer gerechtfertigte Maßnahme gegen Radio Athen den westlichen Argumenten gegen russische Störsender viel Boden entziehen müßte.

Eine Mehrheit liberaler Engländer hofft, daß ihre Regierung von der erteilten Vollmacht keinen Gebrauch machen wird und daß England weiterhin das Land bleibt, in dem jeder – solange er sich innerhalb der Grenzen des englischen Gesetzes hält – sagen und schreiben und hören und lesen kann, was er will.