FRS Bern, Ende Februar

Im Kampf um die Weltmärkte tritt neben Warenpreis und Qualität mehr und mehr das Argument der Kreditierung in den Vordergrund. Die früher üblichen kurzfristigen Zahlungsbedingungen sind durch manchmal sogar mehrjährige Zahlungsfristen abgelöst worden, insbesondere für die Lieferung von Produktionsgütern, die das Abnehmerland heute meistens nur noch im Tempo der Amortisation, nach Maßgabe der verkäuflichen Produktion also, zu bezahlen pflegt. Es kam auch schon vor, daß gewisse Waren kurzerhand als "non essential" von von der Einfuhr ausgeschlossen wurden, wenn das Lieferland sich nicht zu ungewöhnlich langfristigen Exportkrediten bereit erklären konnte. In zwischenstaatlichen Handelsverträgen sowohl wie bei öffentlichen Ausschreibungen gilt es nachgerade als handelsüblich, daß der Lieferant bis zu sechs Jahren kreditiert. Aber auch dort, wo als Handelspartner nicht die Behörde, sondern der Private auftritt, sorgt das Exportinteresse der industrialisierten Länder meistens – wenigstens bei Großaufträgen – für langfristige Kreditierung.

Diese Verhältnisse haben zu einer enormen Zunahme des Exportrisikos geführt. Während Frankreich, Großbritannien, Italien, Holland, Belgien, Österreich, die USA und auch die Bundesrepublik über leistungsfähige, bankähnliche Institute zur Exportfinanzierung verfügen, sieht das für die Schweiz geltende Bundesgesetz vom 6. April 1939 praktisch nur die Übernahme politischer Risiken durch den Bund vor. Dieses Gesetz hat sich bisher durchaus bewährt. Es kennt keine Maximalsumme für die zu einem bestimmten Zeitpunkt ausstehenden Garantien, beruht aber auf der Selbstfinanzierung durch die Wirtschaft: Alles, was an Schu denszahlungen bisher aufgebracht werden mußte, konnte durch Gebühren oder nicht voll beanspruchte Budgetkredite gedeckt werden, obgleich das laufende Bundesengagement sich in den letzten Jahren ständig um den ansehnlichen Betrag von 500 Mill. Fr. herum bewegt.

Der Verein Schweizerischer Maschinenindustrieller weist nun aber erneut darauf hin, daß im Hinblick auf die üblich gewordene, aus Wettbewerbsgründen unvermeidbare Länge der Zahlungsfristen der Risikoanteil des Bundes erhöht werden sollte." Diese Forderung wird übrigens unter ausdrücklichem Hinweis auf die westdeutsche Ausfuhrgarantie erhoben, die 80 bis 90 v. H. der politischen und Transferrisiken und 75 v. H. des privaten Kundenrisikos, berechnet vom Fakturabetrag, decke. Der Industriellenverband denkt an eine ähnliche Erhöhung der Garantiesätze, nicht aber an die Schaffung einer Exportbank nach dem Muster der westdeutschen Ausfuhr-Kredit AG. Hingegen scheint der jüngst vom Institut für Außenwirtschaft der Handelshochschule St. Gallen gemachte Vorschlag auf Schaffung einer zentralen Institution, die kurz- und mittelfristige Titel mit Bundesgarantie zum Einsatz für die Exportfinanzierung herausgeben würde, Anklang zu finden. Die Gefahr einer allgemeinen Verschlechterung der Zahlungsbedingungen dank staatlicher Exporthilfe soll durch engere Fühlungnahme internationaler Organe gebannt werden; schweizerischerseits besteht eine "Kommission für Export-Risikogarantie"‚ die nach Möglichkeit darauf hinwirkt, daß sich die in- und ausländischen Lieferanten nicht gegenseitig mit immer großzügigeren Konditionen überbieten.