Die ungarische Regierung hat jetzt den Budapester Theologen Dr. Baranyai, der am 8. Februar 1945 zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, amnestiert. Die gleiche Anklage traf damals den noch immer inhaftierten Kardinal Mindszenty, dessen dramatisches Schicksal hier zum ersten Male eingehend geschildert wird, und zwar von Bela Fabian, einem ehemaligen Abgeordneten des ungarischen Parlaments, der auch zu den führenden Mitgliedern des Nationalrates in Budapest zählte.

Sieben Jahre sind es nun her, seit Kardinal Mindzsenty vor dem Volksgerichtshof in Budapest zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt wurde. In diesen sieben Jahren haben die Kommunisten versucht, bald den Kardinal durch Terrormaßnahmen zu zermürben, bald ihn durch freundliche Behandlung zur Kollaboration mit dem Regime zu überreden. Aber beide Methoden zerschellten an dem eisernen Willen des Kardinals.

Die Versuche, ihn in einen gefügigen Mitläufer zu verwandeln, begannen mit Gehirnwäsche und Torturen. Als die Mutter des Kardinals ihren Sohn im März 1949 zum erstenmal besuchen durfte, war sein Gesicht entstellt und sein Mund unnatürlich verzerrt. Sie war entsetzt über die Frage des Kardinals (sechs Wochen nach dem Urteil!), welcher Termin eigentlich für den Prozeß angesetzt sei.

Als sich 1950 sein Schilddrüsenleiden verschlimmerte, benutzten die Kommunisten eine neue Methode: Sie versuchten es mit Überredung. Aus Moskau war die Anweisung gekommen: "Wir können nichts mit Märtyrern anfangen – wir brauchen Kollaborateure. Märtyrer schaffen Legenden und Mythen, Kollaborateure zerstören sie."

Die drei Gefängnisärzte erhielten den Auftrag, den altvertrauten Hausarzt des Kardinals zur Untersuchung mitheranzuziehen. Man verschrieb dem Kardinal einen Bergaufenthalt. Er würde in einen Kurort in der Hohen Tatra gebracht, wo 27 Geheimpolizisten ihn bewachten. Hier kam zu der ärztlichen noch eine andere Behandlung hinzu: Ärzte, Polizei und Besucher hatten den Auftrag, zu versuchen, Mindszenty "zum Wohle des ungarischen Volkes" zu einer Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Regime zu überreden.

In dem etwa 25 Kilometer von Budapest entfernten Vacz wurde der Kardinal dann wiedereiner eiskalten Behandlung ausgesetzt. Er lebte völlig von der Welt abgeschlossen. Acht Monate lang erhielt nicht einmal seine Mutter die Erlaubnis, ihn zu besuchen. Die Verpflegung wurde scharf gekürzt und der Ausgang beschränkt. Aber auch dieses Experiment schlug fehl.

Milder wurde das Klima für den Kardinal erst im September 1953. Die pseudo-nationalistische Regierung Imre Nagy bemühte sich mit allen Mitteln, die Sympathie Mindszentys zu gewinnen. Um Einfluß auf ihn zu gewinnen, bedienten sich die Kommunisten seines ehemaligen Sekretärs Andrew Sakar, der einen Monat vor dem Kardinal verhaftet worden war. Nachdem man den Kardinal nach seiner Verhaftung vier Tage lang ununterbrochen verhört hatte, wurde ihm damals Andrew Sakar blutüberströmt vorgeführt.