j. p., Kiel

Alljährlich veranstaltet die Stadt Kiel einen Plakatwettbewerb zur Kieler Woche. Jedesmal ist die Bevölkerung empört über die von der Jury prämiierten Entwürfe ..." schreibt Günter Reinhold aus Kiel am 21. Februar an die Bild-Zeitung. Unter dem Brief ist der mit dem 1. Preis (2000 DM) ausgezeichnete Plakatentwurf des Müncheners Ernst Wilde abgebildet.

Tatsächlich werden diese Wettbewerbe jedes Jahr von der Stadt Kiel ausgeschrieben. Die angekauften Entwürfe erscheinen dann während dieser Festwoche auf Briefmarken-Sonderdrucken, auf Plakaten, Broschüren, Programmen und Diplomen. In fast allen Fällen hat man sich bisher für die Entwürfe moderner Künstler entschieden. Diejenigen Maler und Graphiker, die sich zur Fortsetzung einer streng gegenständlichen Tradition verpflichtet fühlen, hätten also an diesen Wettbewerben gar nicht erst teilzunehmen brauchen. Da nun aber die überwiegende Zahl der bildenden Künstler mit irdischen Gütern nicht reich gesegnet ist, machen sie dennoch fast alle mit.

Ein, wie es scheint, erheblicher Teil der Öffentlichkeit, sofern diese an solchen Vorgängen überhaupt interessiert ist, hat in den vergangenen Jahren an den Entscheidungen der Jury häufig Kritik geübt. Die Kritiker gingen dabei oft von dem Gesichtspunkt aus, daß die prämiierten Arbeiten aus öffentlichen Mitteln, aus Steuergeldern also, angekauft würden und man daher der Öffentlichkeit auch einen größeren Einfluß auf die Auswahl einräumen sollte. Man könnte, so wird argumentiert, zum Beispiel eine Ausstellung aller eingesandten Arbeiten veranstalten und den Besuchern dieser Ausstellung die Möglichkeit geben, auf einem Zettel die Entwürfe in der Reihenfolge aufzuführen, in der sie diese prämiiert sehen möchten. Das letzte Wort könnte dann noch immer einem Ausschuß von Sachverständigen erteilt werden.

Einen anderen und bedenklicheren Aspekt in dieser jedenfalls etwas unbefriedigenden Situation eröffnete eine Denkschrift, die der Plöner Professor Erik Richter (CDU) über die Lage der bildenden Künstler in Schleswig-Holstein verfaßt und dem Kultusministerium in Kiel unterbreitet hat. Professor Richter spricht darin von den "Plakat-Wettbewerben, wie sie von der Stadt Kiel alljährlich für alle Künstler Deutschlands aus Anlaß der Kieler Woche, vielleicht nicht gegen das Gesetz, auf alle Fälle aber gegen jede wirtschaftliche Sittlichkeit ausgeschrieben werden und deren jeder bei Auszahlung von 3500 DM an Preisen den Malern etwa die zehnfachen Unkosten bereitet hat."

Für dieses Jahr kam die Denkschrift augenscheinlich zu spät, um einen Wettbewerb zu inhibieren, der – sicher in der besten Absicht ausgeschrieben – der Künstlerschaft insgesamt mehr schadet als nützt. Vielleicht aber entschließt sich Kiel bis zum nächsten Jahr, seine Plakataufträge lieber direkt an Künstler zu vergeben, von denen man die Lieferung eines Entwurfes in der gewünschten Art erwarten kann, oder sich doch zumindest nur an jene Künstler zu wenden, die bei der dargestellten Lage der Dinge eine faire Chance hätte, mit in die Endrunde zu kommen.