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Stuttgart, Ende Februar

... und das zeigt auch, daß mein Kampf richtig war", so argumentierte Dr. Dehler nach der Sitzung des Bundesvorstandes der FDP im Stuttgarter Parkhotel vor den Journalisten. Middelhauve, der stellvertretende Vorsitzende, klopfte ihm ermahnend auf die Schulter und korrigierte: "Unser Kampf." Diese kleine Episode charakterisiert das Gastspiel, das die Prominenz der FD? in der Metropole Baden-Württembergs gab. Auch die Bekanntmachung des Bundesvorstandes, daß alle Landesverbände treu zu Dehlers FDP stünden, wurde prompt korrigiert. Hubert Schwennicke telegraphierte aus Berlin, daß Frau Lüders zwar einen Sitz im Vorstand habe, aber durchaus nicht für den Berliner Landesverband spreche. Trotz dieser kleinen Abweichungen kann man annehmen, daß sich die FDP anstrengen wird, wenigstens vor dem 4. März, dem Tag der Landtagswahlen im Südwesten, keinen weiteren Anlaß für verwirrende Schlagzeilen zu geben.

Die Einheit der Partei wurde gepriesen, die Loyalität gegenüber dem Westen ausdrücklich bekräftigt, der Austritt aus der siebenjährigen Bonner Koalition in die "konstruktive Opposition" als befreiendes Ereignis dargestellt.

Weniger sicher sieht man dem 4. März entgegen. Für diesen Tag kämpfen die Liberalen im Südwesten. unter dem Schlachtruf: Das "von langer Hand vorbereitete Attentat auf die bodenständige Demokratie des Südwestens" darf nicht glücken. Der Landesvorsitzende, Dr. Wolfgang Haußmann, der nicht ohne Stolz berichten konnte, der Landesverband sei von der Euler-Aktion nicht betroffen, sieht nicht Düsseldorf, sondern Stuttgart als den Angelpunkt an. Er kann zwar mit der Treue seiner FDP-Mannen rechnen, aber nicht so sicher mit der der Wähler. Die Düsseldorfer Vorgänge haben im Südwesten wenig Beifall gefunden, und die temperamentvolle Art Dehlers vermag auch jene nicht sympathisch zu stimmen, die den Exodus Eulers als Verrat ansehen.

Nicht einmal Dr. Haußmann lauschte mit glücklicher Miene den bitteren Worten, die Dr. Dehler am Freitagabend in den überfüllten Landtagssaal in Stuttgart donnerte. Auch er hat registriert, daß der Mann aus "Middelhauves Kindergarten", Willi Weiyer, mehr Beifall erhielt als der Bundesvorsitzende. Die maßlosen Angriffe Dehlers auf alles und jeden, die persönliche Abrechnung mit dem Kanzler, der alte Groll gegen die Sozialdemokraten waren zwar rethorische Blitze, ließen aber auch deutlich werden, daß für die FDP der Streit um die Person ihres Vorsitzenden noch nicht beendet sein dürfte.

Das Stuttgarter Fazit: Die FDP geht in die Opposition; bis zu den Wahlen in Baden-Württemberg sind keine dramatischen Entwicklungen zu erwarten; Eulers Erfolg ist kleiner, als er wohl selbst rechnete; der Ausgang der Landtagswahlen ist für die FDP ebenso ungewiß wie der Ausgang der verschobenen Auseinandersetzung innerhalb einer Partei, die nach wie vor einen liberalen und einen nationalen Flügel und schließlich Dehler zum Vorsitzenden hat. Zel