W. L., München

Weil Angebot und Nachfrage auch im Autogeschäft die Preise regeln, ist seit geraumer Zeit der Verkauf deutscher Automobile nach Österreich für den Händler ein Geschäft mit großer Verdienstspanne. Das war den Autohändlern Armin Strobl und Heinrich Fink bekannt. Weswegen beide mit einem taufrischen Borgward-Isabella München in Richtung Wien verließen. Die Papiere waren in Ordnung, obwohl der Kraftfahrzeugbrief fehlte. Aber Fink hatte vorgesorgt; und als der schnittige Wagen in Wien für 23 500 Schillinge den Besitzer wechselte, präsentierte er einen Brief des Münchner Polizeipräsidenten, wonach ihm "unglücklicherweise" die Aktentasche mit dem KFZ-Brief aus seinem Wagen gestohlen worden war. Mit dieser hochoffiziellen Bescheinigung gab sich der an deutsche Gründlichkeit gewöhnte Österreicher zufrieden, so daß die beiden Münchner mit vollen Taschen den Heimweg antreten konnten.

Für 100,– DM hatte der Kriminaloberassistent Erwin Feller einen Blankobogen des Präsidiums an Fink verkauft, "weil er in wirtschaftlicher Not war". Heute steht er wegen Diebstahl, Betrug, Bestechung und Urkundenfälschung vor der Zweiten Strafkammer des Münchner Landgerichts, zusammen mit drei weiteren Polizisten und sieben Zivilisten.

Diese Leute hatten im letzten Halbjahr einen schwunghaften Handel mit fast neuen Autos betrieben, wobei – in Ermangelung von Betriebskapital – die Wagen einfach gestohlen wurden. Wo andere Händler Autos kauften, nahmen diese sich, was ihnen gefiel. Wo andere Polizisten das Eigentum schützten, wurden von diesen die Diebe geschützt.

Weil nun das 14. Polizeirevier im Hause der Kraftfahrzeugzulassungsstelle untergebracht war, hatten die "biederen" Polizisten keine Mühe, sich nach Büroschluß Blanko-KFZ-Briefe, mit Dienstsiegel versehen, zu besorgen, die sie dann für 250,– DM verkauften.

Mühsamer war die Arbeit der "Händler" Fink und Strobl, die auf Parkplätzen vor Garagen urd Bürohäusern mit sachkundigem Blickneuwertige Wagen aussuchen mußten. Name und Adresse des Eigentümers wurden mit Hilfe der gekauften Polizisten festgestellt. Während man sich mit den Gewohnheiten der Besitzer vertraut machte, wurden "unter Polizeiaufsicht" KFZ-Briefe, KFZ-Schein und Nummernschild angefertigt, so daß nach einen günstigen Moment der schnell gestohlene Wagen, schon wenige Minuten nach der Tat, mit "ordentlichen Papieren" versehen auf der Autobahn von München nach Salzburg brausen konnte.

Der Handel florierte. Im rollenden Einsatz liefen die gestohlenen Wagen gen Süden und erbrachten: am 9. Juli 32 000 Schillinge für einen Ford M 12; am 11. Juli 30 000 Schillinge für einen Opel Kapitän; am 30. Juli 24 000 Schillinge für einen Borgward-Isabella; am 2. August 27 000 Schillinge für einen Ford M 12; am 3. September 26 000 Schillinge für einen Ford M 15.