Die sich mehrenden Diebstähle machten die Akte im Münchner Kriminalpolizeidezernat immer dicker. Schon sprach man über den "Fall" in Kollegenkreisen. Warum sollte darum auch der Kriminaloberassistent Erwin Söldner seinem Kollegen Feller nichts über den Akteninhalt sagen? Warum sollte er die ihm dafür geschenkten 100 DM nicht annehmen, wo doch alles "im Hause" blieb? Allerdings sitzt er heute neben Feller auf der Anklagebank. Aber damals war die Bande durch ihn genau über die polizeilichen Gegenaktionen informiert, weswegen auch die Fahndungsarbeiten immer "erfolglos" verliefen.

Erst ein Parkwächter des bayerischen Roten Kreuzes brachte den Stein ins Rollen, als man ihn mit einem falschen Parkschein reinlegen wollte. Von der Bayerngarage hatten sich die Polizisten Feller und Gössl einen Mercedes 180 gemietet. Die Kaution war hinterlegt, und auf dem Parkplatz an der Residenzstraße endete die Fahrt. Mit einem Parkschein für 30 Pfennig in der Hand verließen die beiden kurz vor 18 Uhr den Platz, allerdings nur, um zehn Minuten später in einem günstigen Moment ihren Wagen unbeobachtet wieder abzuholen. Dann ging es schnell nach Innsbruck; der Wagen wurde verkauft, und gegen 23 Uhr trafen Feller und Gössl wieder auf dem Parkplatz ein.

"Unser Wagen ist gestohlen worden; hier die Quittung", donnerten die weisungsgewohnten Polizisten den alten Parkwächter an. "Wir haben ihn gegen 21 Uhr hier abgestellt. Sie werden sich erinnern müssen", fuhren sie fort. Der Parkwächter aber sah den Schein und wurde stutzig. Das Parken nach 18 Uhr kostet 50 Pfennig. Die beiden aber hatten eine Quittung über 30 Pfennig.

Weil nun Diebstahlanzeige erstattet werden mußte, beschäftigten sich "echte Polizisten" mit dem Fall. Recht bald verstrickten sich die beiden "Kollegen" in Widersprüche und konnten am 10. September schließlich verhaftet werden. Das waren die Böcke, die man zum Gärtner gemacht hatte. Und was in München geschehen ist, kann jeden Tag in jeder Großstadt noch einmal geschehen, wenn man nicht endlich in der Besoldungsordnung für die Polizei von den altgewohnten Vorstellungen loskommt.

In einer Zeit, in der die Polizeibeamten sich nach allen möglichen Nebenverdiensten umsehen, um besser leben zu können, finden geldstrotzende Verbrecher immer eine Lücke in der Charakterfestigkeit einzelner Beamter. Nur höherer Lohn für weniger Polizisten, die besser geschult und sorgfältiger ausgewählt werden, bietet eine Garantie dafür, daß die Aufgabe der Polizei erfüllt wird und daß die einzelnen Beamten den geforderten Erwartungen gerecht werden.