Schlagen Sie im Atlas die Karte von Norddeutschland auf, suchen Sie auf der linken Kartenhälfte Minden und vierzig Kilometer südwestlich von Minden Bielefeld. In der Mitte zwischen beiden Städten liegt Salzuflen.

Salzuflen ist ein verhältnismäßig junges Bad. Im Jahre 1905 noch fragte man in der Lippeschen Landeszeitung: "Ist man nach dem Erfolg der diesjährigen Kur dazu berechtigt, für Salzuflen Großbadgedanken zu hegen? Wer die Zeiten vor zwanzig Jahren noch zurückdenken kann, die Holzhütte, den sogenannten Brunnenausschank, sich allein auf weiter Flur erheben sah und heute einen Blick auf den Kurpark wirft, der muß unwillkürlich ausrufen: "O quae mutatio rerum!" Sofern er Latein konnte. Die anderen werden damals wahrscheinlich schlicht festgestellt haben, daß Salzuflen sich sehr entwickelt hatte.

Nun, wer heute einen Blick auf das Kurbad wirft und die Zeit vor fünfzig Jahren noch im Gedächtnis hat, der hat noch bedeutend mehr Grund zur Bewunderung. Die eigentliche Entwicklung des Bades begann nämlich erst 1906. Man liebte es damals, der Begeisterung klassischen Ausdruck zu geben, und so kündigte der Satz "Heureka, die Thermalquellen wurden gefunden" in der Presse den ersten entscheidenden Schritt dieser Entwicklung an: man hatte in 534 Meter Tiefe den Leopoldsthermalsprudel erbohrt, und das war der Anfang des Herzheilbades Salzuflen. Im Jahre 1927 fand man die zweite Quelle, auch sie bedeutender, als man je zu hoffen gewagt hatte. Viertausend Kurgäste kamen 1905, fünfundzwanzig Jahre später 29 000 und 35 000 im Jahre 1955. Man war damals durchaus berechtigt gewesen, "Großbadgedanken zu hegen", denn die Anzahl der inzwischen noch gefundenen Quellen hat sich ähnlich multipliziert wie die der Kurgäste.

Skrofulöse und Rachitis, Rheuma, Gicht und Hautkrankheiten waren die Indikationen gewesen, für die sich das alte Salzufler Solebad im Jahre 1869 empfohlen hatte. Dem Herzen helfen die Kohlensäure-Thermalquellen von heute. Ebenso wie in Nauheim, das in vielen balneologischen Einrichtungen sein Vorbild war, besteht auch in Salzuflen heute die Möglichkeit der Quelldosierung nach ärztlicher Verordnung. An jede Badewanne sind alle Badequellen angeschlossen. Schwächere Quellen dienen den Trinkkuren.

Die stark kohlensäurehaltigen Thermen von Salzuflen sind die gegebene Kur für die Krankheitserscheinungen mit dem Sammelbegriff Kreislaufstörung, die heute verbreiteter sind denn je. Mit neuen Bohrungen hofft das Bad seine Vielseitigkeit in der Behandlung dieser Leiden jetzt noch weiter zu erhöhen. Nach zwanzigjähriger Pause wird zum ersten Male wieder nach einer stark kohlensäurehaltigen Therme gesucht. Geologen haben den Bohrplatz ausgemacht. Nach ihrer Berechnung müßte die Bohrung in einer Tiefe von 550 bis 800 Metern im oberen Buntsandstein auf die Quelle treffen, im Buntsandstein, auf dem sich auch der nahe Teutoburger Wald aufbaut. Seine Nähe begünstigt Salzuflen klimatisch so, daß es sich auch besonders für Herbst- und Winterkuren eignet. "Das kann ich Ihnen beweisen", erklärte im letzten September ein Gärtner des Kurparks, tat einen Spatenstich und holte mit ihm ein Dutzend fertiger Maikäfer aus der Erde.

Herz und Herz kann zweierlei bedeuten. In Salzuflen pflegt man beides, den Muskel und den Ort, der nach weitverbreiteter Ansicht Sitz der Gefälle ist. Man kümmert sich um den Badegast nicht nur in der ärztlichen Sprechstunde und im Badehaus. Man sucht den Gast zu erfreuen: Die Kurparkgärtner pflegen herrliche Tulpenzuchten, deren Pracht man einfach auf sich wirken lassen oder die man, das Tulpenverzeichnis der Kurverwaltung in Händen, fachlich begutachten kann.

Man spaziert planlos im Park – oder läßt sich die Gesundheit "meterweise" verschreiben, indem man seine Spaziergänge auf den genau vermessenen, markierten Strecken nach Rezept macht. Weg Nummer 1 ist 1800 Meter lang und verläuft völlig eben, Weg Nummer 6, der längste, ist 7000 Meter lang und steigt über hundert Meter.