E.R.S., New York, im Februar

In Amerika sagt man, es sei das Häßliche am Kapitalismus, daß es nicht genug Kapitalisten gibt. Vor etwa Jahresfrist hat sich in diesem Sinne auch der Präsident der New Yorker Börse, Mr. G. Keith Funston, vor der Senatskommission für Bank- und Währungsfragen (dem sogenannten Fulbright-Ausschuß) geäußert. Er meinte, daß jeder Amerikaner, der finanziell dazu imstande ist, einen Anteil am "American Business", d. h. also Aktien von amerikanischen Industrieunternehmungen, erwerben sollte. Man weiß hier, daß der kommende große Kapitalbedarf der Wirtschaft nur gedeckt werden kann, wenn es gelingt, den Kreis der heutigen Aktienbesitzer beträchtlich zu erweitern und namentlich die vielfach so kaufkräftig gewordenen Angehörigen der Mittelklasse für den Aktienbesitz zu interessieren.

Es war klar, daß die erste Emission von Fordaktien im Januar wie keine andere geeignet sein konnte, der Industrieaktie neue Interessenten zuzuführen. Kaum eine zweite Industriefirma hat so viel Resonanz in weiten Kreisen der Bevölkerung wie die Ford Motor Company, die Herstellerin des langerprobten und vielbegehrten Mittelklassewagens. Angesichts der enormen Nachfrage, die alsbald zutage trat, wurde die Emission, für die zunächst 6,9 Mill. Aktien vorgesehen waren, auf 10,2 Mill. Aktien erhöht, und trotzdem wurde der verfügbare Betrag erheblich überzeichnet. Der Emissionskurs von 64,50 $ pro Aktie wurde alsbald überschritten, und der Kurs ging bis 71 hinauf. Dann allerdings kam es zu Abschwächungen, für eine Weile intervenierte das Übernahmesyndikat bei 64,50 aber auch das hörte gegen Ende Januar auf, und die Kurse gingen zeitweilig bis auf 60 zurück.

Selbstverständlich hat man diese Kursbewegungen, namentlich im Hinblick auf die große Menge der Zeichner, hier eingehend erörtert. Verstimmend haben sie nicht gewirkt; denn die rückläufige Entwicklung vollzog sich in einer Periode schwacher Börsen und zu einer Zeit von Produktionseinschränkungen und Arbeiterentlassungen in der Autoindustrie. Und gerade die neuen Aktionärsschichten sind über die wichtigsten Voraussetzungen des lukrativen Aktienerwerbs und Aktienbesitzes hervorragend informiert worden: das geschah im Zusammenhang mit dem "Monthly Investment Plan", dem Aktienerwerb auf Monatszahlungen, der vor mehr als zwei Jahren hier eingeführt worden ist. Auch die neuen Interessenten am Aktienerwerb wissen daher, daß Tagesschwankungen nicht voraussehbar sind, daß aber über eine Periode Ton 55 Jahren die Durchschnittsaktie hier um 3,19 v.H. pro Jahr gestiegen ist. Sie wissen, daß man Aktienbesitz auf lange Jahre planen muß und daß man Aktien von gut fundierten und gut geleiteten Gesellschaften kaufen soll.