Heute ist mit einem lachenden und einem weinenden Auge von einem Schwabenstreich zu berichten. Vor einigen Tagen sprach sich der Allgemeine Studentenausschuß der Universität Tübingen in schöner Einmütigkeit gegen einige "Jazz-Clubs" aus, die – lästigem Unkraut gleich der Tübinger Studentenschaft entsprossen – nicht nur den übrigen Kommilitonen, sondern auch der Bürgerschaft ein Dorn im Auge seien. Auf einen Antrag der Fachschaft Juristen beschloß der Asta daher, diesen "Jazz-Clubs" in Zukunft die Benutzung der Räume zu untersagen, die der Studentenschaft zur Verfügung stehen. Verkannt wurde zwar nicht, daß offenbar ein gewisses Verlangen nach Dixieland da ist, aber leider berührte man nur kurz die Frage, ob der Asta nicht versuchen sollte, diesen neuesten studentischen Betätigungsdrang in eine für alle Teile angenehme Bahn zu leiten. – Ein einfacher Tatbestand gewiß, aber er hinterläßt doch nicht gerade ein gutes Gefühl. Zunächst bekommt man wieder einmal den Eindruck, daß das Studentendasein heute eine in jeder Beziehung sehr ernste Sache ist. Sodann ist zu befürchten, daß in diesem Fall Traditionsbewußtsein wieder einmal mit Engstirnigkeit gleichgesetzt wird, und schließlich könnte sich für einen hellhörigen Zeitgenossen noch die Frage erheben, ob hinter der Maske der Biederkeit hier nicht erneut das Gesicht der Deutschtümelei lauert. Schon einmal verbot man in deutschen Landen den Jazz und forderte dafür die Marschmusik... w. n.