Notenbank hält sich dabei "neutralˮ

Die Geschäftsbanken sind gegenüber ihrer Nichtbankenkundschaft an das noch aus den dreißiger Jahren stammende Zinsabkommen gebunden. Seit langem wird darüber diskutiert, ob das heute noch sinnvoll ist oder nicht. Die entsprechenden Probleme gewinnen dabei jedesmal dann an Aktualität, wenn die von den Bankenaufsichtsbehörden festgesetzten Bankzinsen nicht mehr recht in den Markt passen, weil der Notenbankdiskont zu hoch oder zu niedrig ist; die Soll- und Habenzinsen werden nämlich an ihm orientiert.

Das führt zu Spannungen, zumal die Banken nicht, mehr die alleinigen Kreditquellen der privaten Wirtschaft sind. Sie teilen sich vielmehr mit den Kapitalsammelstellen in diese Aufgabe. Diese geben in einem immer stärkeren Umfange Direktkredite in der Form von Schuldscheindarlehen. Der Anreiz hierfür ist um so größer, je weiter die Spanne zwischen den Habenzinsen der Banken und den Marktzinsen wird, welche die an keinerlei administrativen Bestimmungen gebundenen Kapitalsammelstellen berechnen. Es geht dann für die privaten und öffentlichen Versicherungsanstalten jeder Anreiz verloren, ihre disponiblen Mittel durch den Geschäftsbankenapparat zu leiten. Das gefällt den Banken nicht. In ihren Kreisen wird daher vielfach die Forderung erhoben, Kapitalsammelstellen nicht mehr weiter aus den Zinsabkommen, sofern auf diese nicht ganz verzichtet werden kann, herauszunehmen.

Der Sonderausschuß Bankenaufsicht – es ist dies das Gemeinschaftsorgan der Bankenaufsichtsbehörden der Länder – hat sich Ende vergangener Woche mit dem Habenzinsenabkommen und den Forderungen der Banken beschäftigt. Irgendwelche Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Offenbar sind die Bankenaufsichtsbehörden der Auffassung, daß das Problem seine aktuelle Bedeutung verlieren wird, sobald der Zentralbankrat den Diskontsatz der Geldmarktlage anpaßt. Es spricht vieles dafür, daß das in nicht allzuferner Zeit der Fall sein wird.

Damit dürfte allerdings die grundsätzliche Frage noch nicht gelöst sein. Bei ihr geht es um die Verfassung des Geschäftsbankenapparates selbst. Eine volle Freiheit in den Konditionen kann bei dem scharfen Wettbewerb zwischen den Kreditinstituten, nach einer vielfach zu hörenden Auffassung, recht leicht zu einer gefährlichen Entwicklung, vor allem bei kleineren Banken, führen. Daran kann niemandem etwas gelegen sein, weil erfahrungsgemäß ein Konkurs auch des kleinsten Bankhauses das Vertrauen in alle "Nichtgroßbanken" beeinträchtigt. Trotz aller grundsätzlichen Bejahung einer möglichst liberalen Geschäftspolitik spricht deshalb nach dieser Auffassung einiges für die Aufrechterhaltung der Soll- und Habenzinsenabkommen. Diese haben überdies den Vorteil, daß diskontpolitische Maßnahmen des Zentralbankrates unverzüglich bis in die Kreditverhältnisse der Geschäftsbanken mit ihrer Kundschaft durchschlagen.

Bei der Notenbank sieht man das allerdings nicht für entscheidend an. Aus ihren Kreisen wurde vielmehr bisher weder eine Aufhebung der Zinsabkommen gefordert, noch wurde einer solchen Maßnahme widersprochen. Man muß sich darüber im klaren sein, daß, solange es Zinsabkommen gibt, die Notenbank sich mit ihrem Diskont nicht nachhaltig und nicht allzu weit vom Markt entfernen darf, weil sonst Spannungen auftreten. Der Bankenapparat verträgt nun einmal nur ein beschränktes Maß von Dirigismus. Soll aber mit dem Diskont gestaltend auf das Kreditwesen eingewirkt werden, dann muß auf der anderen Seite den Banken möglichst viel Freiheit belassen bleiben, damit sie sich reagibel den kreditpolitischen Forderungen anpassen können. Rlb.